einzelnen Steinen, da ist es oft genug fürchterlich. Und doch, wendet man den Blick an den Häusern empor, so bemerkt man so manches interessante Detail, so manche schöne Holzarbeit, so zierliche feingearbeitete Gitter (Muschebak, arabisch Muscharabieh) ver den Haremsfenstern, dass die Phantasie mächtig angeregt wird. Wann Travnik gegründet wurde, ist nicht bekannt. Es soll einst hier die Stadt La§va am linken Ufer des gleichnamigen Flusses, in der Nähe der heutigen Ortschaft Putaöevo gelegen sein. Wie Dr. M. Hoernes anführt, sollen sich in dem Engthile, in dem die heutige Stadt liegt, noch zu türkischer Zeit Weideplätze, Haine und Gärten befunden haben, worauf der Stadtname (Travnik = Grasplatz) deutet. Zu einer nicht näher angegebenen Frist übersiedelten die Türken aus La§va an die gegenwärtige Stelle und überliessen ihre Häuser in der Ebene dem Verfalle. Diese Meinung hat entschieden einen historischen Hintergrund, denn es existirt noch eine recht interessante Chronik über bosnische Ereignisse von einem Franziskaner, der sich ausdrücklich Pater Nikolaus von LaSva nennt. Urkundlich wird Travnik 1503 zum ersten Male genannt. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, als das südliche Bosnien schon ganz in den Händen der Türken war, gingen die Heerzüge der letzteren zur Bezwingung der von den Ungarn noch besetzten Festungen im Norden des Reiches vielfach über die Stelle des heutigen Travnik und die Zerstörung von La§va oder die Verlegung der Stadt muss um diese Zeit erfolgt sein. Wie Asböth mittheilt, fehlt es nicht an Anzeichen, dass auf dem Gebiete des heutigen Dorfes Putaöevo, wohin Lasva verlegt wird, zur Römerzeit und im späteren Mittelalter eine ansehnliche Stadt gestanden hat. Römische Alter-thiimer werden in der ganzen Gegend gefunden. Eines derselben, gegenwärtig im Wiener Belvedere, ist deshalb von besonderem Interesse, weil es den Uebergang von der verfallenden antiken Bildhauerkunst zu jener altslavischen barbarischen Steinhauerei zeigt, die in den bogomilischen Grabdenkmälern erhalten blieb. In Travnik selbst wird ein interessanter römischer Stein auf bewahrt, der bei dem Podruni6er Han, 10 Kilometer auf dem Wege nach Jajce, gefunden wurde. Er ist 0,80 Meter hoch, 0,57 breit, 0,19 dick. Seine Randverzierung bilden Epheu- und Weinblätter. Seine Inschrift, die von Dr. Hoernes in »Arch. Epigr. Mitth. IV.« veröffentlicht wurde, lautet: »Ultima clauserunt Parcarum stamina filo Principii miserandi diem, quem, gloria(m) nisi, Avus adque pater puerum dedere (p)raeclara(e) Milita(e) patruoque suo iunxere fovendum, Cum primum pulchra lanugine sumeret annos, Spectantes magnum patriae columenque futurum, Heu miseri, gloriari sibi lactamque senectam. Cmdele(m) luctum domui Ravenna remisit, Hoc miseros titulo proprium signasse dolorem.« — 460 —