238 V. TRAÜ. war der Ort, wo man auf einem steinernen Sockel den Verbrecher aufstellte, ihn an diese eisernen Stäbe kettete und sein Urtheil verkündete. In der Mitte des Platzes war ehemals eine Flaggenstange angebracht, auf der an Festtagen die venetianische Flagge aufgezogen wurde. Anstossend an diese Loggia befanden sich mehrere Kirchlein: S. Barbara, S. Maria in Piazza, S. Sebastiano, von denen, so weit noch Ueberreste vorhanden sind, später gesprochen werden wird. Es fehlte dem Platze auch nicht die öffentliche Uhr und vor Allem nicht der Palast des Conte. Gegenwärtig ist dieser im ersten Stockwerke Theater, im zweiten Stockwerke Kaserne. Das Archiv mit den Wappen der venetianischen Adeligen, deren Zeichen daselbst bis in das Jahr 1410 zurückgehen, ist gegenwärtig eine Werkstätte. In dem Palaste des Conte selbst ist wenig Bemer-kenswerthes enthalten. Die heutige Communalbehörde befindet sich in einem gemietheten Locale, und zwar in einem im Jahre 1671 von Cepioni im venetianischen Palaststyle gebauten Hause. Von den alten Kirchen, die vor der Invasion der Saracenen im Jahre 1125 gegründet wurden, sind nur sehr wenige mehr vorhanden. Als die älteste wird diejenige bezeichnet, welche S. Maria di Piazza genannt wurde. Sie soll unter dem ersten Bischöfe von Traü gegründet worden sein und hatte nach der Angabe des Lucius eine Vorhalle nach der Westseite zu, welche später in die Kirche des heil. Sebastian verwandelt wurde; sie scheint nach den wenigen Spuren, die sich heutzutage noch erhalten haben, eine byzantinische Kuppelkirche gewesen zu sein, ganz in jenem Style, der die vorromanischen Bauten an der Küste des adriatischen Meeres kennzeichnet. Die letzten Ueberreste derselben wurden im Jahre 1851 niedergerissen, ohne dass irgend eine Zeichnung oder sonstige Notizen gemacht worden wären. Die geringen ornamentalen Ueberbleibsel, die ich in einem benachbarten Hause sah, bestimmten mich, über ihren Charakter den früheren Ausspruch zu machen. Eine ebenfalls sehr alte Kirche, die sich heutigentags noch hinter der Loggia als Magazin eines Handwerkers erhalten hat, ist die Kirche des heiligen Martin, in die bei der Belagerung durch die Türken im Jahre 1537 der Altar der heiligen