VII. RAGUSA. 313 raubend und plündernd in Ragusa ein, und nur schwer gelang es dem Nicolaus Bona, diese Plünderer zu vertreiben. Acht Tage lang verspürte man mindere Stösse und Erderschütterungen. Die Geretteten campirten in Hütten um die Stadt. Das Erdbeben reichte von Venedig bis Morea und zerstörte auch Budua in der Nähe von Cattaro. Dieses grosse Erdbeben hat dazu beigetragen, den architektonischen Charakter des heutigen Ragusa zu verändern, aus der mittelalterlichen Stadt ist eine moderne geworden, die romanischen und gothischen Bauten haben sich in Renaissance- und barocke Bauten verwandelt. Die Bevölkerung Ragusas entstand aus römischen Einwanderern, welche sich in der Zeit der ersten Völkerwanderung von Salona und Epidaurus nach Ragusa geflüchtet haben, zu denen schon vor den Kreuzzügen Einwanderer aus dem benachbarten Italien hinzu kamen. Trotzdem, dass ein stark italienisches Element in der Ragusaner Bevölkerung vorhanden ist, so ist heute Ragusa dem Grundstöcke und der Bevölkerung nach slavisch. Die Slavisirung Ragusas, des Dubrovnik derSlaven, des Rausium der späteren Lateiner, fällt, wie gesagt, in eine sehr frühe Zeit. Schon im neunten Jahrhunderte145) nahm Rausium slavische Ansiedler auf, und wehrte sich einige Zeit hindurch gegen die Angriffe der benachbarten Serben; bald darauf wurde es ganz slavisirt, bewahrte aber seine politische Selbstständigkeit. Heutzutage noch ist Ragusa weit mehr eine slavische Stadt als Zara, Arbe oder Trau. Die Sprache in den Familien, selbst in den besseren Ständen, ist ebenfalls vorwiegend die slavische; ihrem architektonischen Charakter nach hingegen ist Ragusa eine italienische Stadt. Wer den Corso Ragusas, die sogenannte Stradone hinaufwandert, der einst ein Canal gewesen und das alte Ragusa von dem benachbarten Walde (slavisch dubr, Baum) geschieden haben soll, der nimmt in sich den Eindruck einer rein italienischen Stadt auf und ahnt nicht, dass der Kern dieser Schale einem slavischen Volksstamme angehört. Da zeigt es sich recht deutlich, welche grosse propagandistische Kraft der bildenden Kunst innewohnt, und in welch hohem Grade sie geeignet ist, Völkern, die auf 14s) Safarik, „slavische Alterthümer”. D. Nr. VI, p. 275.