Vil. RAGUSA. 3oq geboren werden. Ihr Ruf als Matrosen und Seefahrer ist kein geringer und hat sich auch in dem letzten Kriege glänzend bewährt, wo die Fahrt auf hoher See durch die Anwesenheit der französischen Flotte unmöglich geworden war. Mit Recht hebt Gelcich in seinem Werk über Ragusas maritime und sanitäre Institutionen (Triest 1882) hervor, dass die Siege von Demetrios Poliorketes bei Antium, die Siege von Tegetthoff und die Erfolge von Weyprecht nicht möglich gewesen wären, wenn diesen Seehelden nicht dalmatinische Matrosen zur Verfügung gestanden wären. Allerdings hat auch die Seeräuberei der Dalmatiner darin ihre Wurzel, welche die Civilisation an den Gestaden der Adria durch Jahrhunderte gehemmt hat. Der Hafen von Gravosa ist sicher und ziemlich tief, die Einfahrt in denselben bietet ein schönes Schauspiel. Die Berge, die ihn umgeben, sind begrenzt von schön gepflegten Olivenwaldungen und einer Reihe von Villen und Wohngebäuden. Einige von diesen liegen seit dem letzten Einfalle der Montenegriner als lautredende Anklagen gegen die benachbarten Gebirgsvölker in Trümmern. Jetzt (1859) ist der Hafen ziemlich leer, wie die meisten dalmatinischen Häfen; denn die Schifffahrt leidet noch an den Nachwehen des italienischen Krieges gegen Carlo Alberto und von der Unsicherheit der politischen Zustände. Die geringe Länge des Molo gestattet den Lloyddampfern nicht, unmittelbar anzulegen. Eine kleine Barke befördert Passagiere und Güter an das Land, wo immer Ein- und Zweispänner bereit stehen, die Reisenden nach Ragusa selbst zu bringen. Die neu gebahnte Strasse geht über einen kleinen Gebirgssattel in einer anmuthigen Landschaft. In kurzer Zeit ist man auf der Höhe desselben. Der Blick schweift über das weite offene Meer und den Gebirgsrücken. Zu Füssen des Beschauers liegt Ragusa, diese wunderschöne Schöpfung mittelalterlichen Staats- und Seelebens. Ragusa ist von prachtvoll pittoresken Festungswerken aus der venetianischen Zeit umgeben. Auf der Seite gegen Gravosa liegt die Vorstadt „le Pille”, auf der Seite gegen Cattaro die Vorstadt „Plocce” mit dem Lazareth und der Karawanserai. Der Reisende von Triest her macht sein Halt vor den Thoren an der Vorstadt „le Pille”; dort findet er Alles vereint, was für einen Reisenden in erster Linie bedürftig ist: Gasthaus, Kaffee-