V. TRAÜ. Farlati gibt in seinem grossen Werke zwei Biographien des Heiligen, eine von einem Unbekannten, und eine zweite von dem Archidiakon von Trau, Treguanus, aus dem dreizehnten Jahrhundert; er bemüht sich sehr, mit Zuhilfenahme späterer Autoren, des Lucius, J. F. Lauretanus, A. Bosius u. s. f., der Biographie des Seligen eine feste historische Grundlage zu geben. Da dieser Johannes die glänzendste Illustration von Traü ist, und sich die meisten Altarbilder auf diesen Bischof beziehen, so können wir nicht umhin, ein kurzes Lebensbild dieses Mannes zu geben, ohne jedoch den Versuch zu wagen, \ das Historische von dem Mythischen scharf zu scheiden. Johannes 1 war seiner Geburt nach nicht Dalmatiner, sondern Römer, nach der Vermuthung vieler Schriftsteller aus der Familie Orsini. Er soll im Jahre 1062 mit dem päpstlichen Legaten Johannes von Toledo nach Traü zur Zeit des Königs der Croaten, Kre-simir, gekommen sein. Doch auch dies wird von Farlati bezweifelt, gewiss scheint nur zu sein, dass in der damaligen Kirche Dalmatiens ein sehr „schändliches Schisma” festgesetzt wurde, zu dessen Bekämpfung schon früher ein päpstlicher Legat mit Namen _Maynart abgeschickt wurde. Die Dalmatiner hingen nämlich mit grösser Zähigkeit an ihrem altslavischen Idiom und an ihrer altslavischen Kirchensprache. Der römische Stuhl, der im Mailändischen die Liturgie des heil. Ambrosius, in der Kirchenprovinz von Aquileja den Patriarchal-Ritus bekämpfte, war natürlich an der dalmatinisch-adriatischen Küste bemüht, die slavische Kirchensprache, so viel es ging, auszurotten, und die lateinische Sprache und den Ritus Romanus an ihre Stelle und an die Stelle der slavischen Liturgie zu setzen, und so traten überall Verdientermassen auch die sieg- • reichen Vertheidiger des Ritus Romanus gegen das nationale Element in die Reihen der Heiligen und Seligen ein. So St. Donatus in Zara. Karl Borromäus in Mailand und Johannes von Traü. In Dalmatien ist die römische Curie bis aut den heutigen, Tag ziemlich siegreich gewesen; die alten griechischen Hailigennamen sind vollständig verschwunden, die slavische Kirchenspr'ache in der katholischen Bevölkerung nicht mehr üblich, sie ist gänzlich in die schismatische Kirche übergetreten.