REISE-ROUTEN UND LITERATUR VON DALMATIEN. 5l Spalato und Zara und an der istrischen Küste in Pola vorfinden, die Wasserleitung von Salona und Ragusa vecchia, die Bogen von Kistägne, die Ruinen von Salona, die zahlreichen römischen Inschriften, die über ganz Dalmatien verbreitet sind, die Spuren von Strassen, Hafenbauten und Thürmen sind so laut sprechende Beweise einer hohen Civilisation, dass sie auch in späteren Zeiten des Mittelalters nicht übersehen werden konnten. Ueberall findet man daher auch in mittelalterlichen Bauten die Nachwirkung der römischen Vorbilder, die den Völkern des Mittelalters als unübertreffliche Meisterwerke gegolten haben müssen; denn auch das Bedeutendste, was das Mittelalter später, sei es in architektonischen Constructionen, sei es in Decorationen, daselbst geleistet hat, reicht nicht an die Vollendung hinan, die sich in römischen Monumenten zeigt. Mit jenen Monumenten verglichen, welche in Rom, im Centrum der römischen Civilisation, aufgeführt wurden, erscheinen natürlicherweise die dalmatinischen, mit einziger Ausnahme des Kaiserpalastes in Spalato, untergeordneter Art. Nur muss bemerkt werden, dass die römische Kunst in Diokletian’s Zeiten selbst schon in’s Stadium des Verfalles eingetreten war. Was den byzantinischen Einfluss betrifft, so sind relativ ausserordentlich wenige bedeutende architektonische Monumente vorhanden, welche denselben constatiren. Denn man kann denselben nicht nach jenen Denkmälern ermessen, welche auf dem Wege des Handels und Verkehres in das Land gebracht worden sind, wie es Reliquiare, Tragaltäre, Kreuze, Kirchenstoffe und Schmucksachen sind. Diese Gegenstände sprechen für die Devotion und den Reichthum Einzelner, aber sie sind kein Ausdruck weder der eigenen Kunstthätigkeit des Landes, noch des Einflusses auf die heimische Kunst; sie bezeugen nur das, was auch ähnliche Monumente im übrigen Europa bestätigen, dass einzelne Klöster, Fabriken oder Städte des byzantinischen Reiches ein so grosses Ansehen bei den Grossen und Kunstfreunden in Mittel-und Westeuropa genossen haben, dass diese die Arbeiten, welche dort gemacht wurden, sehr hoch geschätzt und auf dem Wege des Handels und Verkehres zu erwerben gesucht haben und sie zum Schmucke der eigenen Paläste, oder als Opfergabe für Kirchen verwendeten. 4 *