V. TRAU. 209 verbundenen ornamentalen Sculptur von Seite der betheiligten Künstler ein fein ausgebildetes Gefühl für Harmonie der Verhältnisse, eine zarte und elegante Behandlung des Ornamentes und eine freie und geschmackvolle Benützung der antiken Motive, die für den Styl der Renaissance massgebend sind. Nirgends hat die Renaissance wirklich platzgreifen können, wo die Künstler selbst nicht in der Mitte eines reichen Kunstlebens gewesen, ihren Sinn nicht auf jene Punkte haben richten können, die wir eben als die massgebenden für diese Stylrichtung bezeichnet haben. Dabei darf nicht vergessen werden, dass Dalmatien selbst in dieser Zeit gänzlich von Venedig abhängig war und dass die venetianische Renaissance in der Sculptur und selbst auch in der Architektur eine gewisse Derbheit und Ueber-fülle an Ornamentik entwickelt, die wreit entfernt ist von der Grazie, mit der diese Stylrichtung im Florentinischen sich entfaltet hat. Man darf sich daher nicht wundern, dass in Dalmatien, in Sebenico, wie in Traü, die Renaissanceformen nicht ganz befriedigen. Beim Baptisterium speciell ist die Thüre für die Breite zu niedrig, die um den Thürstock laufenden Festons, die in Relief in Marmor gearbeitet sind, lassen ebenfalls in der Ausführung wie in der Zeichnung Feinheit der Empfindung vermissen. Einen gleichen Vorwurf könnte man auch der Ornamentik im Innern machen, wenn es sich der Mühe lohnen würde, diesen Gegenstand im grösseren Detail zu untersuchen. Das Innere des Baptisteriums hat zwei interessante Punkte, erstens das Gewölbe und zweitens ein grosses Relief. Das Gewölbe, welches eine Spannweite von 2 Klafter und 1 Fuss hat, besteht, wenn ich mich so ausdrücken darf, aus einem spitzbogigen Tonnengewölbe, das heisst aus zwei grossen Marmorblöcken, die in ihrem Scheitel im spitzen Winkel sich berühren und daher den Eindruck eines solchen Gewölbes machen. Der Gedanke einer solchen Construction kommt in Dalmatien nicht blos in diesem Falle vor; der Architekt wurde offenbar durch ähnliche Gedanken geleitet, welche im Gewölbe des Hauptschiffes im Dome von Sebenico und im diocletianischen Mausoleum in Spalato vorgebildet sind. Die Ornamentik und die ganze innere Construction wird dem Andrea Alecxi aus Durazzo (And. d’Alessio, wie ihn die Italiener nennen) zugeschrieben. An der y. Eitelberger, Kunstliistor. Schriften. IV. j •