121 Ausblick auf die blaue Bucht von Teoclo und die weissen Strassen der ¿upa. Nun wendet sich die Strasse in mehreren Serpentinen an dem Fort Gorazda vorüber durch riesige Felstrümmer und Schluchten aufwärts zum Beginne der schönen Hochstrasse, von welcher man eine herrliche Aussicht auf die ganze Bocche ge-niesst. Schräg über die Hochstrasse geht die mit Steinen markierte Grenze zwischen Oesterreich und Montenegro. Wir fahren nun zu der 930 m hohen Passhöhe am Abhange des Lovcen, dann bis zu dem etwas höheren Xrsiac-Sattel an einem montenegrinischen Wohnhause vorüber nach Njegus. Dieses am Abhange des Lovcen 900 m hoch gelegene Dorf mit 1900 Einwohnern ist der Geburtsort des jetzt regierenden Fürsten. Nach kurzem Aufenthalte geht es zu dem 1274 m hohen Sattel Krivaiko Zdrijlo, von wo sich eine überraschende Aussicht auf das nordöstliche Karstgebirge und auf den Scutari-See im Südosten darbietet. Nun senkt sich die Strasse in Serpentinen an dem Dorfe Bajöe vorüber, wo der Thalboden von Cetinje beginnt. Die Residenzstadt Cetinje, das Ziel unseres Ausfluges, zählt 3000 Einwohner und macht auf den Besucher einen freundlichen Eindruck. Von den Sehenswürdigkeiten erregt vor allem das Kloster am Abhange einer Anhöhe unser Interesse. Dasselbe spielt eine historische Rolle, denn es wurde wiederholt von den Türken zerstört und immer wieder neu erbaut. Einst die Residenz der montenegrinischen Herrscher, birgt dieses Kloster und dessen Arkadenplatz jetzt die Gräber des fürstlichen Hauses. Oberhalb desselben ragt das Danilomonument mit goldener Kuppel in die Höhe. Das von Peter II .erbaute alte Palais (Biljar) beherbergt jetzt die obersten Staatsbehörden, Schulen und die Staatsdruckerei. Das gegenüberliegende neue Fürstenpalais ist von aussen einfach, enthält aber vornehm gehaltene Repräsentationsräume. Von sonstigen Gebäuden sind das Palais des Erbprinzen, das elegante Palais des österreichisch-ungarischen Residenten, die Kaserne, das Theater, das von der russischen Kaiserin gegründete Mädcheninstitut, sowie der »Zetski Dom«, der politische Sammelpunkt der Stadt, zu erwähnen. Von Cetinje sind lohnende Ausflüge auf den Lovten, zum Scutari-See und nach Antivari zu unternehmen. Der beschränkte Raum unseres Büchleins zwingt uns nun, das interessante Gebiet von Montenegro zu verlassen und nach Cattaro zurückzukehren, von wo wir unsere Seefahrt weiter fortsetzen. Für diejenigen, welche, wie es seit einer Reihe von Jahren sehr häufig vorkommt, die Reise nach Dalmatien mit einem Besuche der Zauberinsel Korfu verbinden wollen, ist die nachfolgende flüchtige Schilderung bestimmt, welche auch die Strecke von Cattaro bis zur südlichsten Grenze der österreichisch-ungarischen Monarchie enthält.