56 Istrien und der Quarnero. Von Josef Stradner. Wenn wir den Triester Hafen in südlicher Fahrt verlassen, so entrollt sich vor unserem Auge in abwechslungsreicher Bilderreihe das Panorama der Ostküste. Es beginnt mit den lieblichen Ufern und heiteren Städtchen Nordistriens, um uns dann in glücklicher, künstlerisch wirkender Steigerung die üppigen Landschaften Liburniens, die fesselnden Bilder der Inselwelt, die Ge-schichts- und Culturdenkmäler Dalmatiens aus zwei Jahrtausenden, die bewunderungswürdigen Schöpfungen der antiken und der mittelalterlichen Kunst, die heroischen Landschaften Süddalmatiens vorzuführen. Haben wir den Triester Leuchtthurm passiert, so erschliesst sich uns alsbald die zur Vergrösserung des Triester Hafens ausersehene Bucht von Muggia. Die engen Strassen des uralten Städtchens im Hintergründe sind von den Handwerkern der Werfte von San Rocco belebt und den Berg hinauf zieht die fromme Schar der Wallfahrer zur longobardischen Gnadenkirche von Muggia vecchia, die mitten im Schutte dieses vor fünfhundert Jahren von den Genuesen zerstörten Burgfleckens steht. Im Thale von Borst sieht man, zuerst durch Weingelände, dann durch vegetationslose Karstwildnis die Staatsbahn zum Hochland von Herpelje emporklettern. Die Spitze einer Halbinsel mit den weitläufigen Hallen und Höfen des Seelazareths umschiffend, sehen wir eine zweite, grössere Bucht vor uns und von lachenden Gärten und cypressenbeschatteten Landhäusern umgeben Capo-distria, die alte Hauptstadt Istriens. Es gab eine Zeit, in der die Patrizier hier mit dem Luxus Venedigs wetteiferten, während