der Jungtürken und den Verschwörer Midhat offen mit Geld und guten Worten unterstützte — und zwar lediglich zum Zweck, den russenfreundlich scheinenden Sultan beiseite zu schaffen, um Murad, den Mitverschworenen Midhats auf den Thron zu heben — so war anzunehmen, daß England im Falle eines russisch-türkischen Krieges mit dem größten Vergnügen an Stelle des Zaren die Türkei „in Schutz nehmen“ würde. Denn zunächst konnte England nichts sehnlicher wünschen, als daß der russische Bär in seine Wildnis zurückgeworfen und ihm gründlich der Weg zum Mittelmeere versperrt würde. Denn daß Abdul-Asis einen Beschützer nötig hätte, daran zweifelte sicherlich niemand. Daß er hinter den Kulissen seiner Palastwirtschaft eine großartig angelegte Befreiungs- und nicht Eroberungspolitik im Sinne des Panslawismus verfolgte, daran konnte füglich niemand denken. Die gespannten Beziehungen zwischen England und den wahren Urhebern der panslawistischen Bewegung tragen zum Verständnis der sich nun mit steigender Hast dramatisch entwickelnden Ereignisse wesentlich bei. Wenn England bis dahin kräftig am Sturze des Sultans und an dem Erfolge seines Söldlings Midhat arbeitete, so war der einzige Grund hierzu, daß in Wirklichkeit der englische Einfluß in Konstantinopel gleich Null war. Zwar kann man, bei der eigentümlichen, zugleich krämerischen und humanitären Psychologie der Engländer zugeben, daß der Ausspruch Disraelis, wonach England „die Pflicht hätte, die Türken aus ihrer durch schlechte Regierung unheilvoll gewordenen Lage zu befreien“, nicht ganz unaufrichtig gewesen ist. Aber niemals 22