unterstützte, durchaus nicht mit dem Erbfeinde Rußland ging, sondern im Gegenteil im Dunkel seines Palastes die nationalste Politik ausarbeitete, die seit Jahrhunderten ein Padischah unternommen. Abdul-Asis wußte von der Bewegung, aber er tat nichts, um die Softas aufzuklären. Sein Autokratentemperament verbot es ihm wohl; und überdies wäre es wahrscheinlich unnütz gewesen, denn man warf ihm im Grunde nicht nur seine Schwäche gegenüber dem Erbfeinde vor, sondern man klagte ihn zugleich eines wirklichen Verstoßes gegen das heilige Gesetz an, nämlich der Thronfolgeänderung zugunsten seines Sohnes, und vor allen Dingen machte man ihn mit der Günstlingswirtschaft und seiner Verschwendungssucht für die schlechte Verwaltung verantwortlich, die — wenn man so sagen darf — ihren Widerhall bis in die Taschen der Untertanen fand. Aber diese Bewegung war durchaus noch nicht revolutionär. Sie bezweckte einfach das Auskehren des bureaukratischen Augiasstalles und in erster Linie die Absetzung der zwei bestgehaßten Würdenträger: des Großveziers Mahmud-Nedim, der mit Rußland ging, und des Schech-ul-lslam Hassan-Fehmi, der den Sultan nicht auf seine Verstöße gegen das heilige Gesetz, den Schariah, aufmerksam machte. Wohl ging die Bewegung gegen Rußland und gegen den vermeintlich russenfreundlichen Sultan, aber deswegen war sie noch durchaus nicht englandfreundlich. Um sie revolutionär zu entwickeln, mußte man sie fanatisieren. Um sie englandfreundlich zu lenken, mußte ihr zugleich der christenfeindliche Charakter genommen werden. 29