206 23. Ausflüge von Korfu nach den Ionischen Inseln. Zakynthos) fort. Die Einfahrt in den Hafen erfolgt durch ein von zwei Vorgebirgen gebildetes Seetor, hinter dem sich die geräumige und ungemein liebliche Bucht öffnet, an der die Stadt (Hotel Phönix) sich amphitheatralisch ausbreitet. Campanilen überragen sie und üppige Vegetation säumt sie im Hintergründe. Im Inneren erinnert die Stadt mehr an Italien denn an Griechenland. Man wandelt unter Laubgängen und tritt vor palastartige Gebäude, deren zopßg behandelte Wappenschilder und Bildhauerarbeiten an die Schule Berninis erinnern. Auf dem Marktplatze kann man die Gaben sehen, welche die Insel spendet: Orangen, Feigen, Melonen, Erdbeeren, Mispeln, köstliche Gemüse, Blumen in Massen. — Im Jahre 1893 wurde die Stadt und ihre Umgebung von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht. Von den beiden Hafenvorgebirgen ist das südliche, Monte Scopo, das höhere. Auf der entgegengesetzten Seite ragt der viel niedrigere Schloßberg auf. Man glaubt, daß im Altertume hier die Burg Psophis stand, deren Mauerring in schweren Zeiten die ganze antike Stadt einschloß. Man steigt auf wohlerhaltener, schattiger Straße hinauf. Das Kastell, früher von den Engländern, a's sie die Ionischen Inseln verwalteten, benützt, geht mehr und mehr dem Verfalle entgegen. Wahrhaft entzückend ist der Ausblick auf die zu Füßen liegende Stadt mit ihrem belebten Hafen und der weiten üppigen Landschaft. Dieser Üppigkeit, oder vielmehr Fruchtbarkeit wegen, verdankt die Insel den Beinamen »Blume der Levante«. (Fior del Levante). Das Kulturland besteht hauptsächlich aus Feldern und Weinpflanzungen, Oliven- und Orangenhainen. An der Ostküste befinden sich schöne Olivenwälder. Der natürlichen Fruchtbarkeit wird durch zahlreiche Bewässerungskanäle nachgeholfen. Eine andere Wohltat sind die zahlreichen, an abendländischen Parkstraßen gemahnenden Wege, welche zu lieblichen Aussichtspunkten hinaufführen. Breite, noch immer wolil-erhaltene Straßen führen auch in die Kulturebenen hinaus. Alle diese Anlagen rühren von den Engländern her, werden aber von den Einheimischen nicht in Stand gehalten, so daß man darüber verwundert ist, die Wege überhaupt noch in verhältnismäßig gutem Zustande zu finden. Zante, das antike Zakynthos hat fast gar keine historischen Erinnerungen. An Denkmalresten ist nichts vorhanden. An der südwestlichen Spitze der Insel, bei Keri, Erdpechquellen. Wer seine Ausflüge von Korfu bis auf Zante ausgedehnt hat, soll nicht verabsäumen, dem nahen Patras, der größten Stadt des Peloponnes und nächst Syra der zweitwichtigsten Handelsstadt des hellenischen Königreiches, einen kurzen Besuch abzustatten. Das Leben und Treiben in dieser echt griechischen Handelsstadt bietet manches Interessante. Die Überfahrt erfolgt mittels eines der griechischen Dampfer, welche auf der Linie Korfu—Korinth und umgekehrt verkehren. Diese Dampfer stehen in bezug auf Größe und Bequemlichkeit den Lloydschiffen sehr nach. Man benütze nnr die I. Klasse; die II. Klasse ist unter jeder Bedingung abzuraten. Der Dampfer verläßt den Hafen von Zante und steuert im Angesichte der äußersten Westspitze des Peloponnes (Elis). Das