2. Yon Triest nach Pola. 61 Nachdem mau diese ungemein malerische Gegend im Rücken hat, wird die Station Rozzo erreicht, ein altes Städtchen, das von Mauern umschlossen ist und deren Tore der Markuslöwe ziert. Im Innern ist der Ort verwahrlost; mehrere Gebäude gleichen Ruinen. Rozzo hat im XV. Jahrhundert wiederholt Türkenbelagerungen überstanden, obwohl es nur auf seine eigene Kraft angewiesen war und von Venedig schmählich im Stiche gelassen wurde. Die Bahn fällt ununterbrochen. Rechts Ausblick auf weite Striche Nord-Istriens, links der Steilsturz des Tschitschenbodens. Durch einsame, romantische Gegend gelangt die Bahn zur Station Lupoglava. Bald nachdem man dieselbe verlassen, genießt man linker Hand einen überraschenden Durchblick; zuvor kommt man (rechts) am Schlosse Marenfels vorüber, einem unansehnlichen Gebäude. Besitzer sind die Grafen Brigida (seit 1545). Das Schloß hat ein hohes Alter, da nach alten Chroniken schon Kaiser Heinrich im Jahre 1110, als er nach Italien zog, jenes dem Patriarchen Udalrich von Aquileja zum Geschenke machte, ln der Ferne (links) ragt der Monte Maggiore, Istriens höchste Gebirgserhebung. — Die Bahn zieht in Serpentinen abwärts, unterfährt den Wasserscheiderücken zwischen der Foiba und dem Quieto mittels des 340 M. langen Tunnels von Borutto (des einzigen auf der ganzen Strecke) und gelangt zur Station Cernglie. Ohne Interesse. Auf der Weiterfahrt sieht man links das hochgelegene Lindaro, Novaco. Die Bahn durchzieht nun das Tal der Foiba, streckenweise auf hohen Dämmen, deren Anlage notwendig war, um jene gegen die Hochwässer des Flüßchens zu schützen. Das Tal hat grüne Matten und bebuschte Hänge mit hellen Ortschaften. Hierauf PisillO (zirka 15.000 Einwohner). Die Stadt liegt eine halbe Stunde von der Station entfernt (Omnibusse und Wagen am Bahnhof). Ein Aufenthalt in der Stadt ist sehr lohnend, schon der Gelegenheit zu weiteren Ausflügen halber, welche er bietet. Die Stadt erstreckt sich über den Abhang eines Hügels, der sich nach dem Tale hin verflacht, und ist von dem alten, burgartigen Schlosse überragt. Knapp neben demselben fällt die Schloßwand in die tiefe Foiba-Schlucht ab, in deren grottenartigem Schlund das gleichnamige Flüßchen verschwindet. Im Sommer ist es ganz unbedeutend; in der Regenzeit aber braust es hoch angeschwollen nach Pisino hinab und bedeutende Wassermengen verschwinden in unbekannten unterirdischen Räumen. Da Pisino von keinen alten Wallmauern, wie sie die meisten übrigen istrischen Städte besitzen, eingeschnürt ist, nimmt es sich sehr vorteilhaft aus. Auch an Grün fehlt es nicht. Im Innern wird man überrascht von der daselbst herrschenden Sauberkeit, den gut gepflasterten