6 Dalmatien. Die Armut des dalmatinischen Volkes, beziehungsweise Landes, zeigt sich hauptsächlich in der Nahrung, Wohnung und Kleidung der Mehrzahl seiner Bewohner. Die vermögenden Familien führen ihren Haushalt in italienischer Weise; die ärmere Klasse lebt zumeist von Vegetabilien, ferner von Käse und Fischen; ein auf einem Holzspieße gebratener Hammel, der hierauf mit dem Handschar zerstückt wird, bildet die Festspeise. Der Morlake liebt vor allem Milch und Milchspeisen, Käse, Knoblauch und Zwiebeln. Die Wohnhäuser werden an der Küste besser gebaut, als im Innern; am primitivsten sieht das morlakische Haus aus. — In den Volkstrachten herrscht große Mannigfaltigkeit; im nördlichen Dalmatien lehnt sich die Tracht mehr der kroatischen, im südlichen mehr der türkischen an. Den Turban und die weite Fischerhose findet man fast nur im Süden. Die Weiber haben große Vorliebe für grelle Stoffe. Sabioncello und die Bocche di Cattaro sind die Heimat von zum Teile phantastischen nnd prachtvollen Kostümen. Im ganzen Volke, am meisten unter den Morlaken, herrscht Aberglaube. Man ist überzeugt von der Existenz von Hexen und Besessenen, vom schädlichen Wirken der Vampyre und von der Wiederkehr der Toten; man sacht sich durch Amulette (Zapis) gegen Epidemien zu schützen. In manchen Strichen Dalmatiens herrscht auch noch die Blutrache, gegenüber welcher die Justiz bislang ohnmächtig war. Kultnrverliältnisse. Trotz des im allgemeinen sehr gebirgigen und sterilen Bodens hat Dalmatien, wenn auch keine Ebenen, doch einige Täler und Striche, welche sehr fruchtbar sind. Hierzu gehören: das Tal von egar im Bezirke Obrovac; das Tal von Knin, das Tal von Kossooo zwischen Knin und Derniä und das Petrovopolje (Petersfeld) bei DerniS. Sinj liegt in einem großen Tale mit den schönsten Ahrenfeldern. Eelativ fruchtbar sind: die Talebene von Imoski, die der Narenta, die Zagorje und TJgorie; das Tal Muc; die Halbinsel Bossilinja; der Uferstreif der Castela (Trau etc.); die Primorje bei Macarsca; das Tal Canali südöstlich von Ragusavecchia, das Ombla-Tal bei Gravosa, die Gegend von Castelnuovo in der Bocche und der Landstrich ¿upa zwischen Cattaro und Budua. Der Ackerbau liegt ziemlich im Argen; das Hauptprodukt des Landes liefert der Weinbau. Der nächst dem Weinbau wichtigste Kulturzweig ist die Olivenproduktion. Desgleichen ist die Obstkultur sehr ergiebig. Bei dem südlichen Klima gibt es keinen Mangel an edleren Obstgattungen. In Süddalmatien kommt sogar die Dattelpalme vor, doch werden ihre Früchte nicht reif. Seit einigen Jahren nimmt der Anbau des Chrysanthemums bedeutenden Aufschwung. Der in einigen Distrikten gestattete Tabak-