13. Von Selenico nach Spalato. 119 es fällt schwer, zu bestimmen, wo der Fluß endigt und das Meer beginnt. — Eine Strecke stromauf der Kerka liegt Scardona (Hutei Liburnia, etwas beschränkt, aber entsprechend) nächst Risano in der Bocche di Cattaro die älteste Stadt in Dalmatien. Sie war zuerst eine Niederlassung der Li-burnier und wurde nachmals eine wichtige römische Küstenstation. Als Bischofssitz figurierte sie bereits im Jahre 1126. Die Stadt besteht vornehmlich aus einer langen Häuserzeile, welche sich auf grünem Talgrunde von der Kerka gegen die kahlen Höhen im Hintergründe hinanzieht. Über der Stadt ragt eine uralte (wahrscheinlich römische) Kuine. Der Ort wurde zur Zeit der Kriege zwischen Venedig und den Osmanen wiederholt hart mitgenommen und von den Venezianern oinmal sogar bis auf den Grund zerstört. Noch gegen Ende des XVII. Jahrhunderts hausten hier die Türken. Die Kerka-Fälle (Bild siehe S. 120). Sie gehören zn den schönsten Naturschauspielen Dalmatiens. Man würde ein solches Landschaftsbild nimmer in dem südlichen, meist felsigen und sterilen Lande vermuten. Von Scardona aus windet sich der fjordartige Spalt des Kerka-Flusses bis hinauf zum Wassersturze. Einige Mühlen stehen in der Tiefe, die von taufeuchter, köstlicher Luft durchweht wird. Das Rauschen des Wassers ist aus weiter Ferne vernehmbar. Endlich hat man den blendenden Silberbogen des Kataraktes vor sich. Von der Tiefe aus glaubt man einen einzigen, von bedeutender Höhe niedergehenden Sturz vor sich zu haben. Anders, wenn man sich die Situation von der Uferhöhe ansieht. Dann nimmt man deutlich die fünf Stufen wahr : die weißen Schaumstürze mit je einer blauen beckenartigen Schale davor, in treppenartiger Anordnung. Felsrippen trennen die einzelnen Stufenabsätze. — Der Sturz ist in seiner Gesamtheit geteilt durch dazwischenliegende Felsmassen oder Blöcke, oder Trümmer — so daß er, wie die künstliche Kaskade eines Ziergartens, in zahlreiche Einzelfälle sieh auflöst. Unter dem Einflüsse des Elementes, das Luftdruck und Wind selbst auf entferntere Plätze verpflanzen, entwickelt sich eine parkartige Vegetation; man trete unter eines der Laubdächer und sehe zu den Dunstschleiern him'ber, die der Luftzug vom Katarakte loslöst. Blauer Himmel, von Sonnenglut erfüllt, liegt darüber. Im Hintergründe — also vor den Fällen — ist die Kerka beckenartig erweitert. Hechts windet sich ein anderer Fluß, die Cikola, herüber. Alle Felseinfassungen sind kahl, aber am Flußufer grünt es in üppiger Fülle und die hochragenden Pappeln, welche die Landschaft beleben, lassen die Monotonie ringsum vergessen. Mitten in diesem See liegt das Kloster Vissovac, vereinsamt trotz des belebenden Elementes, trotz des Waltens der nie erlahmenden Naturkraft. Das Kloster hat Türkengreuel erlebt, die den traurigsten Teil seiner Chronik bilden. Es ist erst seit etwa dritthalb Jahrhunderten (1676) wieder bewohnt und hütet nun ein Gnadenbild — Christus am Kreuz — als einzigen Schatz, den die Mönche besitzen. Am Falle von Scardona befindet sich die elektrische Kraftanlage von Supuk & Sohn. Hier ist auch der Ausgangspunkt der neuen Wasserleitung für Sebenico (vgl. S. 115). 13. Von Sehenico nach Spalato. Aus dem Hafen von Sebenico geht die Fahrt durch den Kanal St. Antonio am Fort S. Nicolò vorüber und hierauf nach Südesten, später nach Süden. Links zeigt das Gestade einige