23. Ausflüge von Korfu nach den Ionischen Inseln. 205 Rundblick von der Höhe des Aenos (oder Monte Negro). Der Aufstieg ist beschwerlich, da nur ein Ziegenpfad emporführt. Auf der Bergspitze befand sich einst der berühmte Altar des Zeus Ainesios. Der Gipfel ist dermalen in einem dunkelgrünen Mantel herrlicher Pinien gehüllt. Die Besteigung des Aenos bewirkt man am besten von Argostoli. Vom Gipfel steigt man zu den früher beschriebenen Ruinen herab und von dort zum Gestade, wo man ein Boot zur Überfahrt nach Ithaka mietet. Ithaka (neugriechisch Thiaki). Obwohl der Canal Viscardoy der sich zwischen Kephalonia und Ithaka erstreckt, so schmal ist, daß nur eine ganz kurze Zeit zur Überfahrt nach Ithaka benötigt wird, erscheint es gleichwol ratsam, das Eiland zu umschiffen und dasselbe bei dem jetzigen Hauptorte Yathy (Hotel al Monte Par-nasso) zu betreten. An der Ostküste von Ithaka öffnet sich eine geräumige Bucht, von der drei kleine Seitenarme südlich ins Land eingreifen; im Hintergründe des mittleren, welcher der größte ist, liegt Vathy. Die Häuserreihen liegen am Ufer, dahinter ragen einige Windmühlen über spärlich bebaute Terrassen. Man erhält leidliche Unterkunft; die Bewohner sind freundlich und von angenehmen Manieren. Ithaka hat für den gebildeten Reisenden als *Insel des Odysseus«, hervorragendes Interesse. Zweifel, welche hinsichtlich der Stichhältigkeit jener Annahme da und dort vorgebracht wurden, vermögen die Illusion nicht zu zerstören. Tatsache ist, daß die Homerische Topographie mit den realen Verhältnissen vielfach übereinstimmt. Um die durch die Mythe geheiligten Lokalitäten zu besichtigen, miete man ein Boot, welches den Reisenden nach dem schmalen Istbmus bringt, der beide Teile der Halbinsel znsammenhält. Auf die Höhe dieses Isthmus — heute Aito (Adler) genannt — wird die »Burg des Odysseus« verlegt. Man sieht Terrassen in uraltem Kyklopenstil. Von der Burghöhe steigt man zum westlichsten der drei Buchtenanne hinab. Er heißt Dexia und wird mit der »PJiorkys-Bucht« identifiziert, in der bekanntlich die Phäaken den »göttlichen Dulder« ans Land setzten und zwar unweit einer Grotte, die tatsächlich vorhanden ist. In jener Grotte wurden die mitgebrachten Schätze verborgen; dann verfügte sich Odysseus auf Geheiß der Athene zu dem »göttlichen Schweinehirten« Eumaios, »nahe dem Koraxfels am heiligen Quell Arethusa . . .«. Man gelangt zu dem »Rabenstein« auf dem Hochwege nach der Südspitze des Eilandes. Die Felswand wird noch immer von Raben umkreist. Terrassen mit Buschwerk führen vom Gestade empor. Auf der ersten Terrasse ist eine Grotte mit einem kleinen Wasserbecken — die Quelle Arethusa. Jetzt wird das Vieh von Ithaka dahin zur Tränke geführt. Das Haus des göttlichen Schweinehirten ist auf die Felshöhe zu verlegen, auf die man von der Dexia-Buclit her zuerst gelangt. Es ist die Felshöhe, von wo Odysseus hinabgestürzt sein will, wofern er nicht die Wahrheit sage: nämlich die baldige Ankunft des Dulders. Wenn sich eine Schafherde in der Nähe befindet, kann der Wanderer heute ebenso von den wilden griechischen Hunden angefallen werden, wie damals Odysseus von den zottigen Gefährten des Eumaios. — In neuester Zeit sind auf Ithafca bemerkenswerte Ausgrabungen gemacht worden. Über antike Fragen gibt der Apotheker und Archäologe Nikolas Pavlaios in bereitwilligster Weise Auskunft. Die Dampfer des Lloyd und der griechischen Gesellschaft setzen die Fahrt von Argostoli direkt nach Zante (neugriechisch