52 2. Yon Triest nach Pola. da eine erhöhte Steinlage darüber zu liegen kam (stellenweise durch Holzplatten verdeckt). Schönes Marmorgetäfel findet man aber im Allerheiligsten, wo ein uralter Altar, den ein Mannorbaldachin, der von vier schlanken Säulen getragen wird, überspannt. An dem Halbrund der Apsis, die um den Hochaltar herumläuft und noch seine alten Chorherrenstühle besitzt, sieht man altertümliche Mosailcev, dem Stile nach sehr den Wandbildern in der Krypta des Aquilejer Domes ähnlich. Der Boden der Apsis zeigt teilweise Marmorschmuck. Über das Alter dieser Details wäre zu erwähnen, daß einiges (die Anordnung der Fußböden, mehrere Kapiläle, der Bischofsstuhi, das Atrium und Baptisterium) einer Zeit angehört, die weit über Otto I., der den Dom nach dessen Zerstörung durch slavische Eindringlinge (im X. Jahrhundert) wieder herstellen ließ, hinaufreicht. Das Meiste stammt aus dem Mittelalter : die Mosaiken (soweit sie Figurales vorstellen) aus dem XIII. Jahrhundert, die meisterhaft ausgeführten Chorstühle aus dem Anfänge des XIY. Jahrhunderts, endlich das aus fünf Abteilungen zu je zwei Bildern bestehende Tem-pera-Gemälde in der Sakristei aus der zweiten Hälfte (oder Schluß) des XY. Jahrhunderts. Das Baptisterium (am Portikus, zunächst des Einganges) hat achteckige Grundform und Fundamentreste des großen Laufbrunnens. Von sehr respektablem Alter ist auch die an dem Dom angebaute Canonica. Sie steht auf dem Boden des römischen Kapitols und ist ein stattlicher Quaderbau mit feinen Marmorgesimsen an den Fenstern» Der bischöfliche Palast ist jüngeren Datums. Der Campanile gehört dem XV. Jahrhundert an. Parenzo hatte namentlich unter venetianischer Herrschaft schwere Drangsale zu bestehen. Zuerst zerstörten es die Genuesen, die Feinde der Venezianer (13Ö4), dann wurde es wiederholt von der Pest heimgesucht, namentlich im Jahre 1601, wo seine Bewohnerzahl bis auf 300 Seelen herabsank. Dreißig Jahre später wütete abermals die Pest in der Stadt und Umgebung. In neuerer Zeit hat Parenzo wieder sichtbaren Aufschwung genommen, wie man an mehreren stattlichen Neubauten und öffentlichen Gebäuden wahrnehmen kann. Die Umgebung der Stadt entbehrt nicht einiger hübscher Punkte. Die schöne Straße nach Sbandati (i Stunden) ladet zu einem Spaziergange nach dem (allerdings fast schattenlosen) Innern des Landes ein. Bootfahrt nach der Insel San Nicolò ('/* Seemeile im Südwesten der Stadt), mit altem verfallenen Turme, der in alter Zeit vielleicht als Leuchtturm diente. Zwischen dem grünen Strauchwerk des Eilandes liegen einige Hütten. Vom Südrande derselben interessanter Ausblick auf den Scoglien-(Felseiland)-ArchipeI, der südlich von Parenzo dem Festlande vorgelagert ist. Von Parenzo füll reu zwei gute Fahrstraßen ins Innere von Istrien, eine (nördlich) über Villanuova, Visignano, Caroiba und Treviso nach Pisino ; die zweite (südlich) über Sbandati, Antignana und längs des Draga-Tales nach Pisino. Außerdem die neue Lokalbahn nach Triest (S. 55). Von Parenzo ab steuert der Dampfer zwischen dem Festlande und den zahlreichen Eilanden, welche in geschlossener Kette, bis hinab nach Pola, der Küste vorliegen. Diese Eilande werden am dichtesten vor Ossera (Dampferstation), einem Städtchen, das malerisch auf der Küstenhöhe liegt. Südlich von Ossera öffnet sich landeinwärts der fjordartige Canale di Lerne. Man kann denselben weit landeinwärts mit Booten befahren. Wo er endet, setzt der Fjord als trockenes Tal fort. Bei Canfanaro schwenkt es nordwärts gegen Pisino ab. Es führt hier den Namen Draga-Tal. Südlich des Leme-Kanals folgt nach kurzer Fahrt