184 21. VonaCattaro nach Korfu. untere Vorstadt Varos. Auf dem Bergvorsprunge thront die ehemalige Citadelle, welche mit ihrer fünfseitigen Wallmauer einen ganzen Stadtteil umschloß und mit fünf Türmen das Vorfeld beherrschte. Auf dem Hange nächst der Citadelle breitet sich ebenfalls ein Stadtteil aus. Nach Seutari. Von Antivari führt eine neue Straße über den Sutorman-Paß nach Virbazar am Nordwestufer des Scutari-Sees; ein elender Saumweg vermittelt den Zugang nach Seutari, der Hauptstadt von Oheralbanien. Der bequemste Zugang ist der von Cetinje nach Rijeka und weiter mit dem regelmäßig verkehrenden Dampfer über den Scutari-See. Weniger empfehlenswert ist der Zugang von Dulcigno (siehe unten). Von Touristen dürfte dieser Weg schwerlich eingeschlagen werden. Dennoch geben wir einige Anhaltspunkte, um den Reisenden, der diese Tour unternehmen wollte, nicht ganz und gar ohne Führung zu lassen. Der Weg ist, kurz gesagt, elender Saumweg. Zu dessen Überwindung braucht man nicht weniger als 9 Stunden. Rechts und links nur kahle Karst-trüuimer und Felsen, ab und zu in der Tiefe ein Dörfchen mit seinen trichterförmigen, schwach bebauten Karstlöchern. Im armseligen Chan (Einkehrhaus) von Katarkol hält man gewöhnlich Mittagsrast, bekommt aber nichts außer schwarzem Kaffee, Zisternenwasser und Schafkäse. Seutari (Hotel Europa) liegt fast ganz am östlichen Ufer des Flusses; am südlichen Ende der Stadt erhebt sich der Felsenkegel mit einer Zitadelle aus der Zeit der venezianischen Herrschaft in Albanien. Es führt ein Weg hinauf, der von allen Reisenden eingesehlagen wird, um von dieser albanesischen Akropolis eine der herrlichsten Fernsichten zu genießen : gegen Norden der große See, eingerahmt von den steilen Abhängen des Tarabos, Rumija und Otovan; dahinter die montenegrinischen Grenzgebirge bei l odgorizza und Spas; näher der Stadt zu die fruchtbare, aber an vielen Stellen nur mit Unkraut überwucherte Ebene; im Nordosten die Schneekämme des bis .‘5000 M. ansteigenden Prokleta-Gebirges, in welchem katholische, halb unabhängige Gebirgsstämme hausen. — Die Stadt liegt aufgelöst in Gärten und ist nui aus der Entfernung malerisch. Sehenswertes gibt es wenig. Empfehlenswert ist der Besuch des großen Bazars, der 2000 Buden zählt. Von Antivari ab steuert der Dampfer längs der Küste von Montenegro und gelangt auf die Höbe von Dulcigno, unter welcher Bezeichnung man eigentlich drei Niederlassungen zu vei-stehen hat: Die Altstadt auf einem Küstenvorsprunge, von Mauern umgeben, zur Zeit sehr entvölkert; die Neustadt im Hintergründe einer Bucht und eine aufbliihende Villenkolonie. Das alte Dulcigno war vor Zeiten ein berüchtigtes Raubnest. Von Dulcigno fuhrt längs dein rechten (montenegrinischen) Bojana-TJfer ein etwas bequemerer Weg als von Antivari aus nach Seutari, doch sollte kein Fremder ohne vorherige Information diese zuletzt durch albanesisches Gebiet mit einer zu allen Verbrechen geneigten verwahrlosten Bevölkerung führende Kouto einschlagen. Südlich von Dulcigno tritt die Küste weit nach Osten zurück und schließt den geräumigen Drin-Golf ein. In diesem Golfe liegt die Lloydstation S. Giovanni (li Medna, von wo aus eine bessere und nähere Verbindung mit Seutari besteht. Im Hintergründe des Drin-Golfes liegt Alessio, wo der albanische Nationalheros Skander-beg sein Leben aushauchte. Der Dampfer hält sich in ziemlicher Entfernung von der Küste, nähert sich ihr dann wieder und läuft in den Hafen von