186 21. Von Cattaro nach Korfu. Größe ist nichts auf die Nachwelt gekommen. Das jetzige Türkenstädtchen Dratsch hat die Form eines von hohen Mauern eiu-^eschlo3senen, im nördlichen Teile bergansteigenden Dreiecks. Die Bazarstrasse erstreckt sich zwischen dem am Hafen gelegenen Seetore und dem Landtore. Die übrigen Straßen sind eng, unsauber und winkelig. Nordwärts der Stadt zieht sich eine Hügelkette weit ins Meer hinaus und endigt mit einem Vorgebirge. Die Küste im Norden dieser Halbinsel soll einst durch einen schiffbaren Kanal mit dem Hafen in Verbindung gestanden haben. Der Hafen von Durazzo hat schlechten Ankergrund, was daher rührt, daß die Schiffe ihren Ballast einfach vor Anker ins Meer werfen. , Wenn das heutige Durazzo nicht das geringste Interesse für sich beanspruchen kann, so ist die Örtlichkeit gleichwohl von so großer geschichtlicher Bedeutung, daß ihr Besuch empfehlenswerterscheint. Die Reste von Dyrrchachium, welche immerhin ansehnlich sind, geben annähernd einen Begriff von der Größe des einstigen Emporiums. Es war, wie man weiß, der Ausgangspunkt der Via Ejnatia, der großen Heerstraße, welche von hier bis Byzanz zog. Roms Glanz, Macht und Größe fanden hier ein getreues Abbild. Cicero lebte hier im Exil. Von Roms Koryphäen, die das Kriegshandwerk nach Dyrrhaehium führte, seien nur die drei berühmtesten: Cäsar, Pompejus und Augustus erwähnt. Justinian verschönerte die Stadt und die Gotenkönigin Amalasuntha, Tochter Theodorichs des Großen, bewohnte hier einen prächtigen Palast . . . Dann aber brach das Unheil allmählich herein. Mitte des VII. Jahrhunderts beginnt die slavische, kurz darauf die bulgarische, im XI. Jahrhundert die normanisclie Invasion. Von llobert Guiscard angegriffen und vom Statthalter Georgios Paläologos heldenmütig verteidigt, ergab sich die Stadt am 14. Februar 1083. Die Schlachten zu Land (auf der Ebene nördlich der Stadt) und zur See (nordwestlich der Stadt), welche der Bezwingung vorausgingen, waren höchst blutig und opferreich. Uoheinund, J.'obert und Kaiser Alexios beteiligten sieh alle persönlich am Kampfe. — Nach der unglücklichen Schlacht von Larissa (1084) fiel die Stadt wieder den Byzantinern anheim. Die Venezianer richteten sieh im selben Jahre als »Handeltreibende« ein; als Gouverneur wird. Johannes Komnenos, ein Neffe des Kaisers Alexios, genannt. — Hundert Jahre nach diesem Ereignisse rissen die Normanen unter Wilhelm II. und Tancred die Stadt abermals an sich. Im Jahre 1205 fiel sie, nach der Eroberung Konstantinopels durch die Lateiner, an Venedig, das sie bis 1214 behielt, worauf der Despot Teodoros von Epiros (der zweite Fürst der neugegründeten Angelos-Di/nastie) Durazzo an sich riß und zur zweiten Hauptstadt seines Reiches machte ... Im Jahre 1259 erhielt Manfred, der des Despoten Michael II. Tochter, Helena, geehelicht hatte, die Stadt als Heiratsgut; nach Manfreds Ableben verblieb sie beim Reiche, um 1272 durch Karl von Anjou demselben abgenommen zu werden. Nun im mehrjährigen Besitze der Anjou, überrumpelte sie 12-96 der Serbenfürst Stephan MUjutin und hielt sie 9 Jahre okkupiert. Erst 1305 fiel die Stadt an die Anjou zurück. Von den Byzantinern erfolglos bedrängt, fällt die Stadt 1319 abermals in die Hände der Serben, die sie erst 1322 den Anjou wieder zurückgeben. Im Jahre 1333 mit seinem Gebiete zum Herzogtum erhoben, verbleibt Durazzo bis 1368 unter italienischer Herrschaft, um schließlich an die Albanesen verloren zu gehen, deren »König« sie zur Hauptstadt soines Reiches erhob. — Im Jahre 1392 okkupierte Venedig die Stadt. Die Osmanen erschienen öfters vor der Stadt, belagerten sie und mußten wieder abziehen, bis sie endlich 1503 in ihre Hände fiel. — Auffallend bleiben in diesen Wechselschicksalen die fast ununterbrochenen Beziehungen Italiens zu Durazzo — eine getreue Kopie der älteren Beziehungen Roms zu Dyrrhaehium. Von Durazzo ab geht die Fahrt unausgesetzt im Angesicht der (libanesischen Küste. Das Vorland ist flach und streichen