£08 23. Ausflüge von Korfu nach den Ionischen Inseln. alte Kastell auf dem Bergklotz unfern des Gestades ist die Burg Chlemutzi, ein Wahrzeichen aus der Zeit der Frankenherrschaft im Peloponnes. — Die in der Ferne (im Innern des Landes) verdämmerten Berge gehören zu dem Hochlande von Achaiar in welchem die Quelle des Styx liegt. Das Gestade ist nordwärts flach und reizlos. Linker Hand liegen Kephalonia und Ithaka, und gerade im Norden erstreckt sieh das Gestade von Akarnanien mit den Kurzolari-Eilanden, bei welchen jene große Seeschlacht geschlagen wurde (7. Oktober 1671), die gewöhnlich nach Lepanto, das ziemlich weit im Osten liegt, benannt wird. Hierauf schwenkt der Dampfer nach Osten und läuft in den Golf von Patras ein. Man hat zur Linken den Sumpfstrand von Missoluvghi und gerade gegenüber im Osten Patras (Gasthöfe: Hotel Patras, d’Angleterre, Grand-Bretagne; Cafés am Georgsplatz und im HStel Patras). Die Stadt, welche vom Hafen aus amphitheatralisch ansteigt, gibt ein überraschendes Bild. Man sieht gemauerte Kais, gepflegte Boulevards und breite Straßen, in denen ein ungemein reges Leben herrscht. Der Aufschwung ist um so überraschender, als Patras gleich nach Beginn des Freiheitskrieges von Jussuf Pascha total niedergebrannt wurde. Hier, in Patras, fand am 12. Februar 1821 in den Straßen jener denkwürdige Auflauf statt, der das Signal zur allgemeinen Erhebung der Griechen abgab. Die Stadt hat 40.000 Einwohner und treibt ausgedehnten Handel. Die Kellereien (»Gutland«) der deutschen Wein-Gesellschaft lAcbaia« haben europäischen Ruf. Am Ostende der Stadt befindet sich der Bahnhof der Eisenbahn nach Korinth und Athen, beziehungsweise nach Nauplia (Uber Mykenii und Tiryns). Nach Athen, 8'/2 bis 10 Stunden für (I. Kl.) 25 und (H. Kl.) 20 Drachmen (Franken). — Nach Nauplia 8 bis 8'/j Stunden für (I. Kl.) 22 und (H. Kl.) 16 Drachmen. Geschichtliches. Das alte Patr'd war eine der Stützen des achäischen Bandes und führte seine Gründung in das graue Altertum zurück. Aus des Pau-sanias Zeit weiß man, daß die Stadt einen Demeter-Tempel hatte, zu welchem eine Quelle gehörte, die zu Orakeln benützt wurde. Ein Spiegel, dessen man sich bediente, gab auf die Fragen Antwort. Dieses Spiegelorakel, welches erwiesenermaßen asiatischen Ursprungs ist, hängt mit der ältesten phönikischen Besiedlung der eleisihen und achäischen Küsten eng zusammen. Von den Phönikein stammt auch die Byssospflanze, eine damals kostbare Baumwolle, die in Elis gebaut wurde und für deren Bearbeitung Paträ einen Namen hatte. — Im Mittelalter war Patras die Kapitale des »Herzogtums Achaia«, wurde aber spater an die Venezianer verkauft, die es 1463 an die Türken verloren. Diese richteten den Ort gänzlich zugrunde. Patras ist sonach eine Schöpfung der letzten 75 Jahre. — Aus alter Zeit ist nichts geblieben, als etliche Beste der alten Akropolis, welche in die nachmalige fränkische Zitadelle verbaut wurden. Die Quelle im Süden der Stadt neben den Ruinen der Andreaskirche, in ein gewölbtes Bassin gefaßt, ist möglicherweise mit der Quelle des Spiegelorakels identisch.