154 17. Von Spalato nacli Ragusa. mußte. Im XVIII. Jahrhundert teilten sich die Edelleute in zwei Parteien; die altadeligen hießen Salamanchesi (von der Hochschule zu Salamanca, die sie ausschließlich besuchten, so genannt); die Sorbonnesi (nach der Sorbonne so genannt), jüngeren Datums, waren Abkömmlinge jener Familien aus der Klasse der Cittadini, welche nach dem großen Erdbeben 1667 in den Adelstand erhoben wurden, um die bei jener Katastrophe zugrunde gegangenen Geschlechter zu ersetzen. Die beiden Parteien standen sich ziemlich schroff gegenüber und Ehen zwischen Mitgliedern aus beiden derselben wurden niemals abgeschlossen. Die Amtssprache war bis ins-XVI. Jahrhundert die lateinische, dann die italienische. Mit den Balkanländern wurde slavisch korrespondiert. Besichtigung der Stadt. Wir treten vom Platze vor der Porta Pile (mit Monumentalbrunnen von Rendic) aas unseren Rundgang an. Vor uns haben wir die Stadtmauern: links, auf der Höhe des Abhanges, als die eine Eckbastion den Turm Minceta (1464 erbaut), rechts die westliche Seebastion Bokar und, abgetrennt auf hohem Iviistenfelsen thronend, das Fort Lorenzo, ein Gibraltar im Kleinen (1050 gegen die Venezianer erbaut). Der Ausblick von der Terrasse aus auf die hohe See ist wahrhaft entzückend. . . . Der Eintritt in die Stadt erfolgt durch das PUe-Tor. Man passiert die Torwache und gelangt auf einer im Zickzack nach abwärts führenden Rampe direkt auf den Stradone, die Hauptgasse der Stadt. Keine Stadt Dalmatiens hat eine ähnliche stattliche Gasse aufzuweisen. Die befremdende Monotonie in der Architektur verdankt man dem großen Erdbeben von 1667, indem beim Wiederaufbau der Stadt die Paläste durch Seitengäßchen isoliert und baulich gleichartig hergestellt wurden. In diesen Palästen, welche übrigens nur ein hohes 1. Stockwerk und ein bedeutend niedrigeres 2. Stockwerk besitzen, schaltete der Adel der ragusäischen Nachblüte von 1670 bis 1799. Wenn man den Stradone betritt, hat man zur Rechten den Röhrbrunnen (von Onofrio de la Cava), welcher von der alten Wasserleitung gespeist wird; zur Linken die Votivkirche S. Sal-vatore (mit einer Inschrift, welche an das Erdbeben 1520 erinnert) und die Franziskanerkirche (ansehnliche Klosterbibiiothek). Sie ist modernisiert, der Glockenturm jedoch ein alter romanischer Bau. Besonders erwähnenswert ist das herrliche gotische Portal. Sehr sehenswert ist der Kreuzgang im Innern der Kirche. Gegen den Garten, welchen derselbe umschließt, öffnen sich große Rundfenster. Die Pfeilerarkaden bestehen aus doppelten Säulenstellungen zwischen je einem Pfeilerpaar. Auf den Kapitalen der ziemlich dünnen Säulen sitzen kleine Kleeblattbogen; der übrige Raum in den Pilasterwölbungen ist mit Rosetten (Kleeblatt- und Sternform abwechselnd) gefüllt. Ober dem Kreuzgange läuft eine Terrasse mit neuer schöner Balustrade. Der Hof hat einen traulichen Winkel: ein Gärtchen mit exotischen Pflanzen, deren Dickicht an einer Stelle sogar an den Pfeilern emporwuchert.