180 20. Von Cattaro nach Cetinje. platz öffnet. Am Ende desselben das neue Fürstenpalais, eine Schöpfung des Fürsten Danilo. Im Hochparterre befindet sich auf der einen Seite das Zimmer der Ordonnanzoffiziere, auf der anderen der Sitzungssaal der Senatoren, wo über die Angelegenheiten des Landes beraten wird. Der Fürst wohnt im I. Stockwerke, wo auch der Audienzsaal, mit Teppichen belegt, die Wände mit den Bildnissen der europäischen Potentaten geschmückt. Im neuen Theater befindet sich der Leseverein und ein Kaum, der als Museum hergerichtet werden boII. Etwa 60 Schritte von der südlichen Front des Palais liegt die Hofkapelle (byzantinischer Stil). Schräg gegenüber jjem neuen Palast liegt der alte Palast, nach einem Billardsaale auch *Bijlarda< genannt. Er gleicht einem Kastell, hat in den Mauern vier Tore und innerhalb derselben zwei Höfe. Im Erdgeschoße die theologische Lehranstalt und der Oberste Gerichtshof. Im ersten Stockw'erke läuft ein Korridor durch das Gebäude, in den die Türen der einzelnen Zimmer münden (oben die Ministerien, unten die Schulen). —• Hinter dem Bijlarda steht das der hl. Mutter Gottes geweihte Kloster. Es diente den Vladiken (geistlichen Oberherren der Schwarzen Berge) vor dem XVI. Jahrhundert als Residenz und ist gegenwärtig Sitz des Metropoliten. — Hinter der Klosterkirche erhebt sich die »Kula«, ein hoher Turm und weiter rückwärts ein zweiter, etwas niedrigerer Turm, Tabia (Batterie) genannt, auf dem in früherer Zeit'die Köpfe der im Kampfe erschlagenen Feinde aufgesteckt wurden. — Gegenüber vom Post-und Telegraphenamt in der Hauptstraße befindet sich die Patronenfabrik, etwas südlicher liegt das Gefängnis. Inmitten eines steinigen Feldes, von Gräbern umgeben, liegt die Friedhofskirche und einige hundert Schritte davon entfernt die 1896 erbaute Neue Kaserne. Etwa 390 M. im Korden der Stadt erhebt sich auf einem Hügel das neue Spital. Im Südwesten des Ortes befinden sich die Höhen Orlovskrs, von einem kuppelartigen Denkmale gekrönt, unter welchem Vladika Danilo, der Begründer der regierenden Dynastie Petrovic-NjeguS beigesetzt ist. — Die Kulturen, welche sich in unmittelbarem Bereiche von Cetinje befinden, sind teils Mais- und Kartoffelfelder, teils Gärten. Wiesen breiten sich im Norden und Osten des Ortes aus. Der Baumwuchs hat sich in neuester Zeit gebessert und besitzen die meisten älteren Häuser kleine Obstgärten. In Cetinje sind eine Anzahl von europäischen Großstaaten, sowie einige Balkanstaaten durch Gesandtschaften oder diplomatische Missionen vertreten, von welchen die meisten in gemieteten Häusern untergebracht sind. Österreich-Ungarn hat mit der Erbauung eines eigenen Palais den Anfang gemacht (1896), Ruß-