1. Triest. 33 Verde) auf die Riva Carciotti (links der prächtige Palast Carciotti, mit säulengegliederter Fassade und Kuppel, 1801 erbaut) und zum Molo San Carlo hinüber. Hier entfaltet sich zu allen Tagesstunden ein farbiges lärmendes Leben, wie es nur ein großer Seehafen zm bieten vermag. Wer keine Seereise in Aussicht hat, erbitte sich die Erlaubnis zur Besichtigung eines der großen Lloyddampfer. Die Erlaubnis wird stets bereitwilligst erteilt. Zu diesem Behufe verfüge man sich von der Piazza della Stazione aus in den Freihafen (Porto Franco). Die Altstadt nimmt den Raum zwischen der Kastellhöhe und der Gestade-Ebene ein und ist mit der ältesten Stadtanlage identisch. Wenn sich in der Neustadt die lebensvolle Gegenwart mit ihrem Hasten und Jagen und der Fülle von Arbeitsdrang manifestiert, waltet anderseits in der Altstadt die historische Erinnerung vor. Die größte Zierde dieses Stadtteiles ist der Dom San Ginsto — eine Basilika, die in Mittel-Europa nur noch zwei ebenbürtige Seitenstücke aufzuweisen hat: den Patriarchendom zu Aquileja und die uralte Kathedrale von Parenzo. Auf der Stätte, die der Dom einnimmt, dürfte einst ein römischer Tempel gestanden haben. Die Erbauung der Basilika St. Just fällt in das IV. Jahrhundert. Sie erhielt im VI. Jahrhundert eine zweite Kirche zur Nachbarschaft; beide Kirchen wurden zu Beginn des XIV. Jahrhunderts zu einer einzigen verschmolzen. Die so zustande gekommene Doppel-Basilika nahm den Namen des jüngeren Baues (San Giusto) an, während der ältere Name (Mariana) nur in der Erinnerung blieb. Der Innenraum ist durch vier Säulenreihen in fünf Schiffe geteilt und besitzt in der Halbkugel der Apsis merkwürdige Mosaiken in Farben auf Goldgrund. Man sieht die Apostel und darüber Maria mit einem Chor von Engeln. Apostel- und: Mariengruppe stammen, wie ein geübtes Auge sofort erkennt, ans verschiedener Zeit. Das Marien-Mosaik, welches aus dem XI. Jahrhundert stammt, ist entschieden wertvoller, das Apostel-Mosaik bedeutend älter, angeblich aus dem VII. Jahrhundert. Die anderen im Dome vorhandenen Mosaiken sind von geringerem Interesse. Von außen präsentiert sich der Dom als ein wahrhaft archäologisches Kleinod. Die mit Büsten auf Konsolen und mit antiken Fundstücken gezierte Fassade zeigt auf zweidrittel Höhe eine riesige Fensterrose und wird von dem massigen Turme flankiert, der im XI. Jahrhundert auf dem Fundamente eines römischen Bauwerkes anfgeführt wurde. Dem Dome gegenüber liegt das Museo lapidario Triestino cd aquileiese. (Dem Kirchendiener, welcher öffnet, 60 Heller.) Auf dem Friedhöfe daselbst Winckelmanns Grab. Der berühmte Altertumsforscher fiel bekanntlich der Habsucht eines Italieners zum Opfer und zwar in der Locanda grande, "wo am 8. Juli 1768 der ruchlose Mord durch Francesco Arcangeli begangen wurde. Das aus einem hohen Sockel und dem von einem Engel