2. Von Triest nach Pola. 53 Rovigno. Die Stadt (zirka 9000 Einwohner) breitet sich malerisch auf den Abhängen der beiden Seiten einer in das Meer vorspringenden Landzunge aus, deren höchster Punkt von der Hauptkirche gekrönt ist. Zu beiden Seiten der Landzunge erstreckt sich je ein guter Hafen; der Dampfer fährt in den südlichen Hafen, der jenseits durch das reizende Eiland S. Cattarina gedeckt wird, ein. Der Anblick der Stadt ist sehr vorteilhaft; rechts sieht man die Schiffswerfte, vor sich die Riva mit dem Molo, links den höher gelegenen Stadtteil mit der sie dominierenden Hauptkirche — dem Dome. Er ist der heiligen Eufemia geweiht und auf seiner Turmspitze ist eine kolossale Erzfigur der Schutzpatronin an Stelle der Windfahne angebracht. Ganz unvergleichlich ist der Anblich von der Dom-Terrasse aus über das vorliegende Meer und das Eiland S. Catterina. Was dem Fremden in Rovigno am meisten auffällt, ist die Frauentracht. Das Bemerkenswerte an ihr ist die sogenannte »Vestura«, ein Kleidungsstück, welches lebhaft an den venezianischen Kopfschleier erinnert. Die Vestuia aber ist kein Schleier, sondern ein Überwurf, welcher etwa wie eine rückwärts gebundene Schürze emporgezogen und über den Kopf und Oberkörper gewunden wird. Die Kovignesen sind bekannt für ihre Tüchtigkeit als Lootsen. Früher, da die Hilfsmittel der Schiffahrt noch mancherlei zu wünschen übrig ließen, bestand in Rovigno (richtiger auf den Scoglien unweit der Stadt) ein autorisiertes Lootsenkorps, das lange Zeit treffliche Dienste leistete. Heute besorgen rovignesische Lootsen hauptsächlich an den Po-Mündungen ihr Geschäft. In der Bucht von San Pelagio befindet sich ein Seehospiz für skrophulöse Kinder. Bemerkenswert ist auch die Station des Berliner Aquariums. Von Kovigno Flügelbahn nach Canfanaro, Station der Istrianer Staatsbahn. Täglich vier Züge in jeder Richtung, Fahrtdäuer zirka 1 Stunde (vgl. S. 63). Die Inseln, welche südlich von Kovigno der Küste vorgelagert sind, sehen stattlicher und belebter als die nördlichen Scoglien aus. Die größten sind: S. Andrea und S. Giovanni, letztere das »Stavoren« Istriens; die Fischer von S. Giovanni behaupten nämlich, wiederholt verschiedene Gegenstände aus dem Meere gefischt zu haben, welche die Existenz einer ins Meer gesunkenen Ortschaft außer Zweifel setzen. Der Dampfer kommt nun in Sicht der Brionischen Inseln, welche mit dem Festlande den Kanal von Fasana einschließen. In der Mitte des Kanals Fasana, hart am Gestade gelegen. Landeinwärts geht ein Weg nach Dignano ab, dessen man von der See aus bald nach dem Verlassen Rovignos gewahr wird. Das gleichfalls von der See aus sichtbare Dorf, eine Gehstunde nördlich von Fasana, ist Peroi, eine bocchesisch-montenegrinische Kolonie, welche im Jahre 1658 über Veranlassung der venezianischen Kepublik ge-