12. Yon Zara nach Sebenico. 115 Während auf der Fahrt alle diese Eilande rechts liegen bleiben, tritt links die Küste steiler, aber weniger kahl als anderwärts an die See heran mit einer Reihe freundlicher Uferortschaften (Tre Bocconi, Vodice etc.) und der auf hoher Bergspitze gelegenen, weithin sichtbaren Kirche Madonna del Carmine. — Bai Zlarin engt sich der Schiffahrtskanal beträchtlich ein. Über die Vorhöhen sieht man von Fortifikationen gekrönte Kuppen — die alten Forts von Sebenico. Das Werk hart an der Mündung des Kanals, welcher den Hafen von Sebenico mit der offenen See verbindet, ist das Fort Nicolö. Dieser Kanal (St. Antonio genannt) wird von schroffen Felswänden gebildet und wurde in früherer Zeit durch eine Kette gesperrt. Die Tiefe ist sehr beträchtlich : bis 40 M. — Hierauf tritt der Dampfer in den Hafen von Sebenico (zirka 11.000 Einwohner) ein. (Hotel Pellegrino, Hotel Kerka). — Die Stadt bietet ein überraschendes Bild. Ihre grauen Steingebäude mit der in der Mitte hoch emporstrebenden Kathedrale erheben sich auf der steil ansteigenden Küste amphi-theatralisch übereinander. Dahinter ragen drei Forts, zwoi etwas niedriger (vom Meere aus links: S. Giovanni, rechts: Tartaro), das dritte (11 Barone) bedeutend höher. Kingsum löst sich das Landschafisbild in zerklüfiete Kalkfelsen auf, an denen nur ab und zu Olivengebüsch wuchert. — Die Gäßehen des Städtchens sind steil und eng und gehen häufig in Treppensteige über. Die einzige etwas breitere Straße läuft vom Domplatze zum Landungsplatz. Bemerkenswert ist, daß das Städtchen elektrisch beleuchtet ist. Die Kraftanlage befindet sich am Kerkafall von Scardona. Von hier geht auch die neue Wasserleitung nach Sebenico ab. Von der Riva gelangt man direkt zu dem bedeutendsten Bauwerke der Stadt — dem Dom. Der Bau desselben hat im Jahre 1443 begonnen und wurde erst 1536, also fast ein Jahrhundert später, vollendet. Daraus erklären sich verschiedene Stilgebrechen. Im wesentlichen herrscht die venezianische Gotik vor und zwar die reichste Ausprägung derselben bei Übergang in die Renaissance. Die Kirche hat die Form eines lateinischen Kreuzes und besteht aus dem durch Kapellenbauten etwas komplizierten Chor und einem hohen und schlanken Mittelschiff, welches durch Säulenstellungen von den Seitenschiffen getrennt ist und dessen Wölbung mit derjenigen der hoch oben mit Fensterchen ausgestatteten Kuppel in mächtigen aneinandergefügten Steinplatten durch ihre Anlage imponiert. Baumeister des Hauptbaues (XV. Jahrhundert) war Giorgio di Matteo (Or-sini), ein Sebenzaner. Das Schiff ist 20, die Kuppel 30 M. hoch. Auch das Baptisterium mit dem vertieften Becken ist merkwürdig wegen seiner herrlichen Steinskulpturen, Basreliefs aus je einem Stück an den Feldern der gewölbten Kuppel und an 8*