202 23. Ausflüge von Korfu nach den Ionischen Inseln. Fels« des Acheron (Aristophanes). — Der Dampfer tritt hart: an die Küste heran und läuft in den Hafen von Aniachiki, Hauptort der Insel Sta. Maura (Leukadien), ein.. Die Insel hing ursprünglich mit dem Festlande durch einen schmalen und niedrigen Isthmus zusammen, der schon im Alter-tume durchstochen wurde. Den Namen Sta. Mciura führt eigentlich nur das den Hafen beherrschende Fort. Der Hafen ist so seicht, daß nur Barken hinein können; die Dampfer verbleiben auf der Reede. Ein langer, schmaler Damm, ähnlich der Diga. von Malamocco, gewährt größeren Schiffen einigen Schutz. Die Stadt ist still und macht den Eindruck der Verödung. Die Südspitze der Insel läuft in ein hochragendes, steil abstürzendes Vorgebirge, Kap Ducato genannt, aus. Es ist der leukadische Fels, eingedenk der Selbstopfernng der unglücklichen Sappho, auch »Fels der Sappho« genannt. Man kann die Felshöhe von Sta. Maura aus besuchen, wird also veranlaßt, in Amachiki Station zu machen, was nicht jedermans Sache sein dürfte. Der Todessprung’ der lesbischen Dichterin ist übrigens leere Fabel. Von der Höhe des leukadischen Felsens stürzte man im Altertumo am Jahrestage des Apollo einen Verbrecher in die Tiefe. Daraus scheint die Sage von der Selbstopferung der Sappho entstanden zu sein. Die Lokalität hat übrigens mannigfache Veränderungen erfahren, und zwar durch die seit den ältesten Zeiten auf der Insel periodisch auftretenden Erdbeben. Der wilde Trümmersturz am Fuße ces Sapphofelsens, an den die Sci-roccowellen mit wilder Gewalt andonnern, ist das sichtbare Zeichen dieser Vp^änge- Nachdem der Dampfer Amachiki verlassen, wendet er zurück, d. h. nach Nordosten und tritt in die schmale Mündung des Ambrakischen Golfes. Hierauf Prevesa. Die Stadt mit ihren verfallenen türkischen Forti-fikationen macht einen unvorteilhaften Eindruck. Sie hat kein hohes Alter. Obgleich ein Dorf dieses Namens schon im XVIII. Jahrhundert existiert hatte, ist doch Ali Pascha von Janina, der grausame Bedrücker dieses Landes, Schöpfer der modernen Stadtanlage. Man behauptet, sie sei aus den Trümmern der nur anderthalb Stunden weiter nördlich liegenden »Siegesstadt«— Nikopolis — des Oktavianus Augustus, Besiegers des Antonius und der Kleo-patra, aufgeführt worden. — Im Innern ist Prevesa ganz und gar unansehnlich. Von den Bauten ist nur die große Moschee mit dem Säulenumgange (ein Werk Ali Paschas) beachtenswert. Nordwärts der Umwallung liegen eine Vorstadt, ein Friedhof und ein Olivenhain. Das der Stadt gegenüberliegende flache Vorgebirge, La Punta genannt, ist das denkwürdige Vorgebirge Actinm. Obwohl dieses Stück Land naturgemäß zu Griechenland gehört, wurde es seinerzeit bei der Grenzumschreibung des neugeschaffenen hellenischen Königreiches zum türkischen Territorium geschlagen, da die Pforte geltend machte, daß sie mit dem alleinigen Besitze von Prevesa den geräumigen Gclf von Arta nicht sperren könne. So ward Actium damals von Griechenland abgeschnitten und auf