156 17. Von Spalato nach ßagusa. In den Parterrelokalitäten der Stradone-Paläste herrscht ein reges Handwerkertreiben. Man sieht alle Professionisten bei der Arbeit: Schuhmacher, Schneider, Eiemer, Goldarbeiter usw. Die goldgestickten Gewänder, welche - hier nach orientalischem Ge-schmacke angefertigt werden, sind schöne Fabrikate, indes auch entsprechend teuer. — Die Häuserzeile des Straclone ist nach wenigen Minuten zurückgelegt. Das Ende. der Gasse erweitert sich zu einem kleinen Platze, der von einer Reihe mehr oder minder interessanter Gebäude . eingefaßt ist. Das Gebäude links ist die Dogana (früher Zecca, Münzamt). Sie wurde 1520 von dem Florentiner Pasquale erbaut, zeigt eine Vorhalle mit Arkaden und Kreisbogen im Renaissancestil, im 1. Stockwerke große venezianische Fenster und darüber in der Mitte unterhalb des verzierten Dachgesimses in einer Nische den Stadtpatron S. Biagio. Sehr wirkungsvoll präsentiert sich, die Hoffassade mit ihren Kundbogen im Erdgeschosse und den Spitzbogenarkaden (in doppelter Anordnung) im 1. Stockwerke, Davor der sogenannte „liolandstein“, ein Erinnerungszeichen au die Handelsfreiheiten der Stadt, gleich den deutschen Hansestädten. Das altersgraue Gebäude neben der Haupticache ist der Rektorenpalast. Er wurde in dem Zeiträume von 1388—1424 erbaut und hat bei dem großen Erdbeben im Jahre 1667 sein zweites Stockwerk eingebiißt. In seiner jetzigen Gestalt gehört er der italienischen Spätrenaissance an. ln der Hauptfassade befindet sich eine Arkadenvorhalle mit Steinsitzen, welche einst die Senatoren bei Festlichkeiten oder Staatszeremonien innehatten. Die Fenster des ersten Stockwerkes schmücken Säulchen und Maßwerk in der Füllung der Spitzbogen. Der Hof mit seinen Hallen und der breiten Freitreppe präsentiert Bich sehr vorteilhaft. — In dem Palaste befindet sich das Archiv der Republik Ragusa. Im Hofe die Kupferbüste des Bürgers Michele Prazzato aus dem Jahre 1638. Zwischen dem Rektorenpalast und der Hauptwache das Gemeindehaus (1862 von PerUic im lombardischen Stile erbaut) mit dem Lokalmnsenm. Es enthält hauptsächlich antike Funde aus Ragusavecchia, ferner Münzen und Siegel aus der Zeit der Republik, außerdem zahlreiche Sammelstücke aus der Fauna und Flora Ragusas. Neben dem Rektorenpalast befindet sich das neue Theater. Im Winter finden Vorstellungen italienischer Opernoder Schauspielgesellschaften statt.- Auf dem vorerwähnten Platze liegen zwei Kirchen: die Kathedrale (Dom) Sa. Maria Maggiore (mit berühmter Schatzkammer) und die Biagio-Kirche (mit der in Silber getriebenen Statue des hl. Blasius). Beide stammen aus jüngerer Zeit, da die erstere im Jahre 1713, die letztere im Jahre 17)5 vollendet wurde. Der Dom besitzt eine reiche Schatz-