44 1. Triest. zu erkennen gibt. Ein Kirchlein — S. Giovanni — eine Mühle und einige Häuschen zieren seine Ufer, die auch einiges Baum-grün aufvveisen. Sonst ist ringsum brauner Sumpfboden bis nach Monfalcone hinüber. Der Timavo ist der antike Timavus, ein Name, der ins älteste Mythenzeitalter hinaufreicht. In einem heiligen Eichenhaine an seinem Ufer lag das Heiligtum des thrakischen Diomedes. Seine Erbauer waren die Veneter. Als Jason auf seiner Fahrt den Ister und die Save herauf, beim Ursprünge des Laibach-Flusses angelangt, der Meinung war, die »Quelle des Ister« erreicht zu haben, setzte er seine Reise zu den Gestaden der Adria über Land fort. Der Sage nach erreichten die Argonauten das Meer beim Timavus. In einer späteren Zeic beging man in den früher erwähnten Eichenhain den Kult der argi-vischen und ätolischen Hera (Strabo). Was uns ganz besonderes Interesse ablockt, ist die Beschreibung von der Größe und dem Aussehen des Stromes, wie wir sie bei zahlreichen antiken Autoren (Virgil, Strabo, Plinius, Livius, Martial, Cornelius Nepos usw.) finden. Mit sieben (oder mehr) starken Quellen trat das Gewässer zutage und zwar mit einer Vehemenz, die dem Strome etwas schauerlich Großartiges verlieh. Diese Quellen sind versiegt und der heutige Timavo ist ein träger Bach. Heute gilt der Timavo als die zutage tretende Mündung des zirka 33 Km. unterirdisch zum Meere sich durchwindenden Flüßchens Reka (vgl. Divaca-St. Canzian). Man vernimmt das Rauschen der unterirdisch fließenden Reka an mehreren Punkten, bei Trebitsch, zwei Gehstunden nordöstlich von Triest, und bei Ceroule, 1 Stunde nordöstlich von Duino. Bei Trebitsch öffnet sich ein ungeheurer Naturschacht — die »Lindner-höhle« — eines der merkwürdigsten Schaustücke des an derlei Phänomenen ohnedies überreichen Karst. Sie führt den Namen ihres Entdeckers, dem es im Jahre 1840 nach elfmonatlichen Anstrengungen imerliörter Art gelungen war, bis in die Tiefe des Schachtes vorzudringen Die Lindnerhöhle ist oberirdisch, d. h. an ihrem Mundloche durch eine Falltüre kenntlich gemacht. Aus der Einfriedung führt eine ununterbrochene Reihenfolge von Leitern — über sechs Dutzend, jede Leiter 4 M. lang — vielfach in doppelter, ja dreifacher Anordnung, in die grausige Tiefe. Der Schacht ist stellenweise sehr eng. Dicht unter seiner unteren Ausmündung wölbt sich ein mächtiger Dom, auf dessen Grunde sich ein seeartiges Gewässer ausbreitet. An dessen Ufern erhebt sich ein hoher Sandhügel, welcher den Abstieg zu dem geheimnisvollen, nachtumhüllten Wasserbecken vermittelt. An dem Gestade, an welchem man steht, befindet man sich genau 270 M. unter der Erdoberfläche beim oberen Mundloche dieses großartigen, mit nichts Ähnlichem zu vergleichenden Naturschachtes. Auf dem Rückwege von Duino nach Nabresina benütze man einen Wagen zur Fahrt nach Triest. Man kommt zunächst nach Sa. Croce, in dessen Nähe (Auresina) die Wasserleitung nach Triest abgeht; dann nach Prosecco (in 3/4 Stunden), wo der bekannte weiße Schaumwein wächst und zuletzt (in l/2 Stunde) nach Opeina (333 M.; Hotel und Pension Daneu; Hötel »All’ Obelisco«) mit herrlicher Aussicht auf Triest und den Golf. Hierauf die Wegserpentinen zur Stadt hinab (1 Stunde). Eventuell entlasse man in Opöina den Kutscher und benütze die elektrische Bergbahn (S. 25). Lipizza—Sessana. Von Triest über Bassovizza per Achse ' Stunden) nach Lipizza, k. k. Hofgestüt. Es besteht seit 1850 und ist trefflich eingerichtet (Besichtigung gestattet). Die Gegend i det eine Oase im Karst. Mächtige Eichen und hochstämmige astanien stehen überall in reicher Fülle. Wenn man die mit