122 13. Von Sebenico nach Spalato. Trau (sprich Trä-ü) ist das Trogir der Slaven (Tragurium der Römer). Schon im IV. Jahrhundert vor Christo stand hier eine ansehnliche Stadt. Später war die Stadt einer der Hauptstützpunkte der venezianischen Republik in Dalmatien. Die Venezianer hatten auch das stattliche Hafenkosten errichtet (1424). Dagegen wurde der runde Turm in der zweiten Hälfte des-XIV. Jahrhunderts von den Bewohnern und ihren Verbündeten, den Genuesen, als Schutzwehr gegen Venedig erbaut. — Träte macht sowohl von außen wie von innen ganz und gar den Eindruck einer venezianischen Stadt aus dem Mittelalter. Der alte Hafenturm, die verwitterten Turmbastionen am Hafentor, das Rathaus, die Loggia, der Palazzo Cippico, die vielen Kirchen, das alles verleiht der Stadt ein romantisches, feudal-mittelalterliches Gepräge. Die größte Sehenswürdigkeit der Stadt ist der Dom. Er ist eine der schönsten Kirchenbauten in Dalmatien. Der Dom überrascht durch seinen architektonische» Charakter, was bei Kirchenbauten in diesem Lande eben nicht allzu häufig vor-zukommen pflegt. Rechnet man einige Annexe ab, so erscheint das Ganze wie aus einem Gusse entstanden. Man beachte die stilvolle, durch ihre Proportionen und architektonische Gliederung vorteilhaft wirkende Vorhalle. . . . Darüber zieht sich an der Giebelwand des Mittelschiffes ein kolossales gotisches Badfenster. Durch ein Frachtportal mit Ornamenten und Figurenreliefs tritt man in das Innere des Domes. Es ist dreischiffig mit Pfeilerstellungen in zwei Reihen — vier in jeder Reihe — die das Mittelschiff von den Seitenschiffen scheiden. Der Hochaltar in der Hauptapsis ist ein Ziborienaltar. Ein achteckiger Aufbau überragt ihn. Die achtflächige, von der gleichen Zahl Säulen getragene Kanzel ist ein wahres Prachtstück aus schönstem Marmor. In gleichem Grade fesseln die alten, aus Holz geschnitzten gotischen Chorstühle. Eine eigene Kapelle im Dom, deren Hauptschmuck lebensgroße Apostelgestalten sind, birgt in ihrem Marmoraltar den Leichnam des hl. Johannes Ursinus, der in der Mitte des XI. Jahrhunderts Bischof von Tran war und dessen Leichnam an der Stelle, wo er nun beigesetzt ist, ein Jahrhundert später (1151) aufgefunden wurde. — Die Besteigung des Campanile ist sehr empfehlenswert. Ein Gang durch die Stadt ist sehr lohnend, desgleichen ein weiterer Spaziergang über die Drehbrücke auf die Insel Bua mit ihren grünen Geländen. Von einer der flachen Höhen genießt man einen zauberhaften Rundblick über den vorliegenden schmalen Meeresarm, die altersgraue, rings vom Meere umflutete Stadt und das pflanzengrüne Gestade des Festlandes, über welches der mächtige, in seinen oberen Teilen völlig nackte Monte Carban emporsteigt. Das Gestade, welches man weithin nach Osten überschaut, ist die Landschaft der »Sette (sieben) CastelU (siehe hierüber S. 128). Nach der Abfahrt von Trau steuert der Dampfer um das Westende der Insel Bua herum und schwenkt in den Kanal zwischen dieser und der Insel Solta. Am Steilsturze von Bua sieht man hoch oben, von einigen Zypressen umgeben, das Kloster Madonna di Prednitz und bald hierauf fällt der Blick auf das herrliche Uferpanorama von Spalato. Die lange Häuser-