22. Korfu. 193 sind verhältnismäßig gut, ohwohl sie seit dem Abzüge der Engländer allenthalben vernachlässigt worden sind. Man kann selbst entlegenere Touren überall hin zu Wagen ausführen, ein Vergnügen, das nur bei öfterer Wiederholung etwas teuer zu stehen kommt, doch überzeuge man sich zur Vermeidung von Unglücksfällen vor jeder Abfahrt zu einer größeren Partie, ob Wagen und Bespannung in gutem Zustande sind. Geschichtliches. Die Insel Korfu hieß in den ältesten Zeiten — wohl wegen ihrer sichelförmigen Gestalt — Drepane. Ob sie mit dem Scheria der Odyssee identisch ist, steht keineswegs fest, obwohl es nicht an Versuchen gefehlt hat, diese Identität nachzuweisen (besonders A. v. Warsberg in seinem ausgezeichneten Werke »Odysseeische Landschaften«). In historischer Zeit führte die Insel den Namen Kerkyra (Korkyra), der ihr bis auf den Tag erhalten blieb. . . . Höchstwahrscheinlich waren die ältesten Einwohner der Insel Illyrier. Um die Mitte des VIII. Jahrhunderts v. Chr. erfolgte die Kolonisierung durch die Korinther und seitdem tritt die Insel in die Geschichte des Griechentums ein. Wie alle korinthischen Kolonien war auch Korkyra eine Handelskolonie. Zweigkolonien reichten — wie wir anderwärts vernommen haben — bis hoch an den adriatischen Gestaden hinauf und hatten sich unter anderem auch auf einigen dalmatinischen Inseln zu verhältnismäßig großer Blüte entfaltet. Dieser Aufschwung reizte die Mutterstadt Korinth; in dem 665 v. Chr. entstandenen Streite blieb Korkyra Siegerin. Damals wurde die erste Seeschlacht in der griechischen Ära geschlagen. Später den Korinthern untertan, schlug es sieh im peloponnesischen Kriege auf die Seite der Athener und ging aus zwei großen Seeschlachten, weiche in nächster Nähe der Insel (beim Cap Lewkime) ausgefochten wurden, siegreich hervor. Der Umschwung ließ aber nicht lange auf sich warten. Das, was Thukydides besonders an der Insel zu schätzen wußte: ihre wichtige geographische Lage als Mittelglied zwischen Griechenland und Italien, wrurde ihr zum Verderben. Von allen benachbarten Mächten (Epirus, Makedonien, Syrakus etc.) lüstern begehrt, fiel sie bald diesem, bald jenem zu und erlebte ab und zu kurze Pausen leidlicher Unabhängigkeit. Im Jahre 129 fiel Korkyra an Rom. Damit erlosch ihre eigentliche Geschichte. Sie kam später zum oströmischen Reich und ging im XI. Jahrhundert wiederholt an die Normannen verloren. Die nächsten zwei Jahrhunderte sind meist mit Parteikämpfen ausgefüllt. Die Insel gehörte bald den Hohenstaufen und den Despoten von Epirus, bald den Anjou und geriet endlich 1366 in die Hände Venedigs, das bereits gelegentlich des »lateinischen Kreuzzuges« festen Fuß auf ihr gefaßt hatte und sodann ein volles Jahrhundert hindurch Anstrengungen machte, dieses »Bollwerk« am Eingänge der Adria zu erwerben. Die Osmanen erschienen zweimal vor Korfu — 1537 und 1716 — ohne etwas auszurichten. — Bis 1797 blieb die Insel bei Venedig; nach dem Untergange der Republik kam sie an Frankreich, dem sie jedoch kurz hierauf durch die Russen entrissen wurde. Am 21. März 1800 erfolgte die Pioklamierung der »Republik der Vereinigten Ionischen Inseln«, die unter russisch-türkischem Schutze stand. Dieses Verhältnis dauerte bis 1807, als die Franzosen abermals die Insel okkupierten. Im Jahre 1809 nahmen die Engländer die Insel in Besitz und stellten ein Provisorium her, dem 1815 die Neu-Inaugurie-rung der >:Republik der Vereinigten Ionischen Inseln« folgte. England übte das Schutzrecht aus und bestellte einen hohen Funktionär (Lord-Oberkommissär genannt) als administrativen und politischen Leiter. Dieses Verhältnis währte bis 1863, in welchem Jahre England sämtliche Ionischen Inseln an Griechenland abtrat. Korfu. Besichtigung der Stadt. Man beginnt den Kundgang von der Esplanade aus, dem hübschen Platze am Gestade, mit seiner Gebäudefront auf der Landseite, dem alten englischen Be-gierungs- und derzeitigen Königspalast und der Aussichtsterrasse nach dem Meere. Der Platz ist mit Anlagen geschmückt und besitzt mehrere Denkmäler, welche Beachtung verdienen. Zu- Fiihrer durch Dalmatien. 6. Aufl. 13