Einleitung. 21 Anfänge die Lust an ihrer Zigarre oder Pfeife, Schnupfer hingegen verdoppeln ihre Prise mit verdoppelter Hast; gesprächige Menschen werden schweigsam, wortkarge gesprächiger. Das erste Symptom der Krankheit ist eine gewisse Unruhe ; hat sich einmal eine leichte Blässe und ein lebhaftes Glänzen der Augen eingestellt, so folgt sehr bald ein Zucken um die Mundwinkel, ein Entfärben der Lippen, steigendes Unbehagen und schließlich die Magenentleerung. Entmutigend wirkt die Seekrankheit fast auf alle, die daran leiden. Die stärksten Männer werden hinfällig wie die Kinder. Dagegen werden Kinder im Arme von Matrosen :nie seekrank. Höchst bemerkenswert ist auch das sogenannte Reaktionsleiden, [■das bei der Seekrankheit ziemlich häufig'vorkommt. Es gibt nämlich Menschen, [bei denen das Leiden in dem Augenblick endet, wo die Ruhe an Bord eintritt [oder indem ihr Fuß wieder festen Boden unter sich fühlt. Appetit und ein Gefühl allgemeinen Behagens stellen sich alsbald ein. Andere wieder, die an Bord wenig leiden, können das Ungemach, aich wenn sie das Schiff verlassen haben, tagelang nicht los werden. Es gibt Leute, die in Ruderbooten bei bewegter See, so lange sie selber rudern, nicht seekrank werden, aber augenblicklich leiden, wenn das Boot stille steht und von der See allein bewegt wird. Andere wieder und unter sie zählen auch viele Seeoffiziere, gewöhnen sich nie an die See. Auch die Tiere sind nicht frei von diesem Leiden, selbst Affen und Yögel nicht ausgenommen. Hühner und Geflügel im allgemeinen werden melancholisch und magern ab; Singvögel stellen das Singen ein, verhalten sich aber sonst gleichgültig; die Katzen fürchten und verkriechen sich, Hunde verlieren den Appetit und werden nervös. Pferde lassen die Ohren hängen, versagen das Futter und trinken häufiger als gewöhnlich. Auch wilde Tiere: Löwen, Tiger, Hyänen werden bei hochgehender See unwohl, zahmer und lassen ihre Wärter leichter ankommen. Die Krankheit an sich selbst ist noch immer ein Rätsel, obAvohl ziemlich allgemein angenommen wird, daß sie eine Gehirnaffektion sei. Eine andere Annahme ist die, daß durch das Heben und Senken des Schiffes momentane Blutleere und Blutandrang entstehen. Hierfür sprechen: der Aufenthalt im Rotationszentrum des Schiffes, die horizontale Lage oder die freischwebende Hängematte, was alles bedeutende Erleichterung bietet. Wer gegen dieses plötzliche Steigen und Fallen des Blutes, das bei vielen auch mit momentanem Herzklopfen verbunden ist, nicht ; empfindlich ist, der leidet eben nicht.’Um der Krankheit von vornherein möglichst |entgegenzutreten, erscheint es ratsam, vor der Abfahrt keine schweren und nieht gviel Speisen zu sich zu nehmen. Ein starker Wille vermag viel, reicht aber auch • nicht immer aus. Als praktisch wird befunden, bevor man in die See hinauskommt, sich in die Kabine zu begeben und niederzulegen. Ist der Anfall ' überwunden, so stellen sich gesteigerter Appetit und erhöhte Lebensfreudigkeit ein. Gegen die Seekrankheit gibt es keine prophylaktischen Mittel. Im allgemeinen ist man darin einig, daß vor der Manifestation des Ekels die warmen aufregenden Getränke günstig wirken. So können der Kaffee, der Holländertee mit einer kleinen Zugabe von Branntwein, der Grog, der warme Wein und der Punsch eine größere Fähigkeit geben, der Seekrankheit zu widerstehen. Im allgemeinen wirken alle Mittel, welche das Blut gegen das Gehirn treiben. Damen behaupten, daß sie weniger leiden, wenn sie stark geschnürt sind. Auch das wiederholte Einatmen der Luft oder das Verschlucken einiger Pfefferkörner, der schluckweise Genuß warmen Wassers tragen zur Verminderung der Seekrankheit bei. Ein in England häufig angewendetes Mittel ist eine Mischung von l*/2 Gramm Chloral, 25 Gramm destilliertem Wasser, 30 Gramm Klosterbeerensirup" und 1 Tropfen Pfefferminzessenz (oder auch nur destillierter Chloral oder 2 Teelöffel Chloralsirup in einem halben Glas Wasser). Diese Mischung nimmt man kurz vor Abfahrt des Schiffes ein, eventuell alle acht Stunden auf hoher See. Literatur. Über Dalmatien, Montenegro und die Herce-govina: E. Eitelberger: Die mittelalterlichen Kunstdenkmale Dalmatiens, Wien, 1884. — T. G. Jackson: Dalmatia, the Quar-nero and Istria etc., Oxford, 1873, 3 Bände (gediegenes Werk).