174 19. Von Ragusa nach Cattaro. dahinter kahlos schroffes Felsengebirge; ferner links: Dobrota mit nackten, steilen llergen im Hintergründe; weiterhin St. Elia und gegenüber (rechts) das langgestreckte im Gartengrün liegende Mula, dessen Häuser sich in der blauen Flut spiegeln. Endlich hält der Dampfer an der Riva von Cattaro. (Gasthöfe: Stadt Triest, Jäger [Kod Lovca], Stadt Graz.) — Der erste Anblick ist überraschend. Vor sich hat der Reisende die belebte Riva, welche landeinwärts von der Stadtmauer eingefaßt wird. Hinter ihr türmen sich gewaltige Berg-massen empor, ziehen die Serpentinen -der Straße Cattaro-Cetinje und hängen — oft über schwindelnden Abgründen — die Befestigungen des Forts S. Giovanni. Alle Abhänge sind kahl, wild zerrissen, von imponierender Großartigkeit. — Eine Strecke südlich der Stadt treten die Uferhöhen zurück und bilden eine sanft ansteigende Mulde, an deren Seerande der Weiler Scaljari liegt. Dort schlängelt sich die Straße nach Sta. Trinità und Budua hinauf. — Rückwärts gewendet, hat man die Kette des hohen klotzigen Vermaé vor sich und die malerische Uferszenerie, welche sich vom innersten Winkel der Bocche über Mula und Perzagno bis zum Seetor der Catene bei Perasto hinzieht. Geschichtliches. Das heutige Cattaro liieß vor Alters Ascrivium und war «ine Kolonie der Römer. Im V. Jahrhundert wurde es, wie ganz Dalmatien, von den Goten erobert, welche aber vom Kaiser Justinian wieder verjagt wurden. Im VII. Jahrhundert okkupierten zwar die Slaven das dalmatinische Festland, die Küstenstädte aber — und mit ihnen auch Cattaro — blieben unter byzantinischer Oberhoheit. — Bis gegen Anfang des X. Jahrhunderts war Cattaro eine Republik ; im XII. Jahrhundert stand es nachweisbar unter byzantinischem, im XIII. Jahrhundert unter slavischem Schutze, ein Verhältnis, das bis zum Erlöschen der serbischen Dynastie aufrecht erhalten blieb. Als König Uros von Serbien das Zeitliche gesegnet hatte (1368), begab sich die Stadt unter den Schutz des Königs von Ungarn, was zur Folge hatte, daß die Venezianer die Stadt angriffen und plünderten. Kaum ein halbes Jahrhundert später kam es unter die venezianische Herrschaft (1420), die bis zum Erlöschen der Republik andauerte. — Unter Venedig gab es keine Konskription, keine Zehenten; die Jugend stellte sich freiwillig zum Kriegsdienste. Die einzelnen Gemeinden erfreuten sich der weitgehendsten Autonomie. Dagegen wurden die Gebiete von Castelnuovo und die Landstriche an der Südspitze von Dalmatien (Popori, Braci und Pastrovici) von den Venezianern als erobertes Land behandelt und waren dieselben zehentpflichtig. Die Krivosianer lebten damals ganz unabhängig und kümmerten sich um keine anderen als ihre eigenen Gesetze. Die Republik Venedig bezog von Cattaro keine Einkünfte; die einzige Abgabe bestand in dem Erlös der alle drei Jahre zu erneuernden Schiffs-Patente. Die veränderte politische Lage nach dem Zusammenbruche der Napo-leonischen Herrschaft brachte auch das Gebiet von Cattaro an Österreich. Die letzten Besitzerwerbungen des letzteren fallen in das Jahr 1841, als Österreich die Grenzzone von Stanjevic und Pastrovic von Montenegro abkaufte, und 1878, wo es auf Grund der Stipulationen des Berliner Vertrages in den Besitz des Küstenreiches von Spizza gelangte. Cattaro. Die Stadt (zirka 4000 Einwohner) bietet wenig. Ein Vorzug derselben ist, daß sie ein gutes Pflaster besitzt und rein gehalten wird. Im großen und ganzen ist Cattaro die nüchternste, die am wenigsten interessante Stadt des dalmatinischen