510 DIE RAGUSÄISCHE INSELFLUR. dessen Kanten mit Kieferzapfen behängen sind, beschattet die Pforte, durch welche wir Käfige mit Kanarienvögeln und weissen Tauben erblicken; vor dem Hause aber muthet ungemein traulich ein Ruhebänkchen an, welches allerlei Blumenarrangements umgeben, letztere zum Theil in langen Steintrögen, deren Besatz mit Muscheln und Bergkrystallen zeigt, wie liebevoll der Besitzer sein stilles Tusculum auszugestalten bestrebt ist. Eine Allee — Via Calaroga — in welcher Rosmarinbüsche von Pinien, Pyramidencypressen und Oleandern beschattet werden, bringt uns nahe der Klosterpforte vor ein interessantes Vegetationsbild, nämlich einen abgestorbenen Riesenstrauch, der nur mehr drei Aststummel entsendet, aut welchen Agaven wuchern, während von unten Cacteen aufstreben. Die Klostergebäude auf Lacroma sind sehr alten Ursprungs. Schon Mitte des XI. Jahrhunderts wurden vom Ragusäer Senat hier einige Befestigungen errichtet, nachdem 1023 ein Brand die Bürger der Stadt in Gefahr gebracht hatte; im XII. Jahrhundert aber entstand ein Benedictiner-kloster, dessen Gründung Richard Löwenherz zugeschrieben wird. Der englische König soll nämlich, als er 1192 aus Palästina zurückkehrte, in Sturmesnoth das Gelübde gethan haben, an der Stelle, wo er gerettet landen würde, eine Kirche zu bauen und diese Stelle sei Lacroma gewesen. That-sächlicli war Richard Löwenherz im Jahre 1192 Gast des Ragusäer Senats; den Historikern zufolge soll er aber damals sein Gelübde durch Gründung des Ragusaner Doms erfüllt haben. Zwei Jahrhunderte später, im December 1396 war Lacroma abermals die Zuflucht eines Königs, nämlich Sigismunds von Ungarn, der auf der Flucht vor Sultan Bajazid hier landete; in späteren Zeiten aber verfiel das Kloster und lag in Ruinen, als Erzherzog Max Lacroma erwarb, um sich hier ein Schlösschen zu erbauen. Dieses kam dann in Privatbesitz und schliesslich wurde es Eigenthum des Kronprinzen Rudolf, nach dessen Hingang im Jahre 1889 die Insel durch kaiserliche Schenkung den noch heute hier hausenden Dominikanern zufiel. Treten wir durch die Pforte und durchschreiten den Flur, so kommen wir in einen nur halb mehr erhaltenen Kreuzgang, der wie so mancher andere Kreuzgang Dalmatiens schon dadurch bezaubert, dass aus dem anstossenden Klosterhofe die mediterrane Vegetation hereinrankt, in deren dichtem Laub die Lichter der Südensonne spielen. Im Klosterhof fällt uns ausser einem alten viereckigen Thurm besonders der hohe Eckthurm des Klosters auf, der bei einem Rundgang durch das Innere des Gebäudes bestiegen werden kann. Im ersten Stock zieht sich ober dem Kreuzgang des Erdgeschosses ein Längssaal hin, ähnlich den vaticanischen Galerien, von welchem Thüren in die Zimmer und Clausuren beiderseits führen. Sowohl in dem Saal als in den Cabinetten findet sich gesammeltes Allerlei: Büsten und Porträts, Landschaften neben einem Stammbaum Arpads u. a., doch alle Räume sind in diesem glücklichen Klima offen, und frei schweift der Blick auf allen Seiten hinaus, in die schöne, selbst im Winter grüne und sonnvergoldete