GESCHICHTLICHES ÜBER DIE BOCCHE. 531 Bocche einst Sinus Rhizonicus hiess, zog sich nämlich die Königin Teuta zurück, als sie der Seeräuberei ihrer Untertlianen und besonders der Ermordung eines römischen Gesandten wegen von Rom bekriegt und gezwungen worden war, ihre eigentliche Residenz Scodra (Skutari) zu verlassen (228 v. Chr.). Zwei Menschenalter später herrschte_ in demselben Gebiete Gentius, der letzte altillyrische König und kämpfte gleich Perseus von Makedonien so unglücklich gegen Rom, dass er wie jener sein Reich verlor und zu Rom im Triumphe aufgeführt wurde (168 v. Chr.). Seit 138 v. Chr. theilte die Bocche das Schicksal des zur römischen Provinz gewordenen Illyrien, und man darf annehmen, dass das „Siegervolk“ damals ähnlich verfuhr, wie später die Yenetianer, d. h. sich unter thunlicher Belassung der localen Einrichtungen hauptsächlich die wohlhabenderen Küstenreviere sicherte, während man sich um die armen Gebirgsbewohner des Hinterlandes nur wenig kümmerte. Einzelne antike Funde lassen ver-muthen, dass schon damals an Stelle Cattaros ein Ort stand (Ascrivium), der aber zunächst wohl ohne Bedeutung gewesen sein dürfte. Denn obwohl es scheint, dass die Bocche, welche ursprünglich zum Conventus Narona gehörte, später der von Diocletian errichteten Provinz Praevalitana zugeschlagen wurde, werden von den Orten der letzteren nur Dioclea (bei Pod-gorica), Scodra (Scutari) und Alessia besonderer Erwähnung wert gehalten. Bei der Theilung des Römerreiches fiel die Praevalitana an Ostrom, wurde zu Anfang des VI. Jahrhunderts von den Ostgothen erobert, stand aber seit Justinian (527—565) wieder unter Byzanz, dessen Kaiser Constantin Porphyrogenitus (X. Jahrhundert) bereits Cattaro unter dem Namen Decateron erwähnt. Damals hatte die Stadt gleich Rosa (Porto Rose) und Buthoa (Budua) schon eine Zerstörung durch die Sarazenen hinter sich (840 oder 867) und soll dann von Flüchtlingen aus dem bosnischen Kotor neu aufgebaut worden sein. Auch griffen nun die im Hinterland wohnenden Serben, die Gross-Zupan öaslav 931—960 zum erstenmale zu vereinen wusste, in die Geschichte der Bocche ein. Nach Caslavs Tode bildeten Montenegro, die Bocche und die Umgebung des Scutari-Sees ein eigenes Königreich Dioclea (Duklja), dessen König Prelimir unter byzantinischer Hoheit stand. Sein Enkel Jovan Vladimir, unter welchem 1002 der Bulgarenczar Samuel in die Bocche einfiel und Risano und Cattaro zerstörte, dann aber zum frieden neigte und seine Tochter Kosara1 mit Vladimir vermählte. Letzterer wurde von dem Bulgarenczar Vladislav (Neffen Samuels) ermordet und dies benutzte der Zupan von Travunien (Dragomir, Onkel Vladimirs), um Duklja zu erobern. Dragomir starb unter den Händen der Cattariner Adeligen, die sich Byzanz ergeben hatten, und gegen dieses kämpfte auch sein Sohn Stefan Vojislav so unglücklich, dass er eine zeitlang als Gefangener in Constantinopel sass. Wieder entkommen, war er erfolgreicher, und seinem Sohn Michael (1051—1081) gelang es sogar, Rascien zu erwerben und von Papst Gregor VII. 1 Diese Zeit behandelt ein Schauspiel „Kosara“ von Lazar Lazarevic. 34*