3C0 VON SPALATO NACH SINJ UND IMOSKI. Der kleine Marktflecken ist durch den Handel mit dem benachbarten Bosnien zu einigem Wohlstand gelangt und man bemerkt daher nicht nur zu beiden Seiten des geräumigen Hauptplatzes, sondern auch in den übrigen Gassen recht wohlgebaute Häuser, unter welchen zwei annehmbare Wirtshäuser nicht fehlen. Wahrscheinlich bestand auch an der Stelle Sinjs schon in uralter Zeit eine Siedlung, denn die Chroniken berichten, dass das jetzt in Trümmern liegetade Castell bereits im XIV. Jahrhundert bestand und von Ludwig dem Grossen nach dem Erlöschen der Bribir dem Grafen Nelipat im Umtausch gegen Knin gegeben wurde. Im XVII. Jahrhundert (1687) eroberte General Morosini die Veste Sinj und der Ort blieb nun 110 Jahre unter den Venetianern,1 obgleich die Türken bis zum Jahre 1715 mehrere Wieder-eroberungsversuche machten, die namentlich für die Geschichte des Franziskanerklosters von Sinj (siehe „Das Museum von Sinj“) und für die Entstehung eines Sinj eigenthümlichen Festes von Bedeutung wurden. (Siehe „Das Alkafest“.) Ausser an diesem Festtage (18. August) ist Sinj an jedem Mittwoch und Samstag ziemlieh belebt, da an diesem Tage auf dem Räume zwischen dem Hügel Belvedere und der Südseite der Kirche Markt abgehalten wird, wobei die verschiedensten Trachten zu sehen sind. Auch die Sinjanerinnen selbst lassen sich dann in ihrem geschmackvollen Sonntagsstaate sehen, an welchem besonders das bunte Jäckchen, der lange ärmellose Sadak, das seidene Kopftuch und die ins Haar gesteckten langen silbernen Nadeln auffallen. Das Alkafest (La Giostra). Als Morosini im Jahre 1687 Sinj erobert hatte, flüchteten hieher Franziskaner aus Rama in Bosnien und erhielten 1691 von Venedig die 6 Kilometer nördlich gelegene Besitzung Citluk, sowie den Grund, auf welchem sich 1699 das durch ein wunderthätiges Marienbild weit und breit in Ansehen stehende Kloster erhob. Das mit Gold und Edelsteinen besetzte Bild, welches die Franziskaner aus Rama mitgebracht hatten, soll nämlich eine grosse Rolle gespielt haben, als im Jahre 1715 der Vezier von Bosnien mit einem mächtigen Heerhaufen plündernd in Dalmatien einfiel und auch Sinj belagerte. Die Veste wurde damals von einigen hundert Sinjanern unter Provveditore Georg Bai bi vertheidigt, den der vormals als türkischer Gefangener bis Bagdad gekommene Frater Paul Vuckovic so kräftig unterstützte, dass die Türken lange nichts auszurichten vermochten. Plötzlich hob der Seraskier die Belagerung auf, da, wie Hammer-Purgstall berichtet, in seinem Heer die Pest ausbrach; die Bevölkerung aber schrieb die Rettung dem Madonnenbilde zu und hielt von nun an zu Ehren derselben sowie zur Erinnerung an die tapfere Vertheidigung alljährlich ein Volks- 1 An die venetianische Herrschaft erinnern noch ein geflügelter Löwe am Gefängnis und eine Inschrift an der Artilleriekaserne: A fundamentis erecta Pavlo Bolau, Provisor Generalis.