532 DIE BOCCHE. den Königstitel zu erhalten (1077). Unter seinem Nachfolger Bodin (1081—1102), der auch Bosnien beherrschte und in die Geschicke Eagusas eingriff, kam die Normannenprinzessin Jaquinta1 nach Cattaro und wusste es durchzusetzen, dass daselbst ihr Sohn Georg zum König ausgerufen wurde. Gegen ihn behauptete sich jedoch mit byzantinischer Hilfe Gradihna, und dessen Nachfolger Eadoslav residierte bis zu seinem Tode (1170) in Cattaro. Er nannte sich aber nur Knez oder Conte der Stadt, denn während er das Primorje beherrschte, waren in Serbien schon die aus der Zeta2 hervorgegangenen Nemanjiden emporgekommen, und gerade ein Jahr vor dem Tode Eadoslavs hatte Stefan I. Nemanja durch die (ältere) Schlacht am Amselfelde (1169) eine Alleinherrschaft begründet, welche, Bosnien ausgenommen, alle Zupanate der Serben, einschliesslich der Bocche, umfasste. Stefan Nemanja der Ältere soll Cattaro, das er im Kampf gegen Kaiser Emanuel 1173 erobert hatte, befestigt und in der Stadt seinen Palast gehabt haben. Er zog sich aber 1195 von der Herrschaft zurück3 und ihm folgte Stefan der Jüngere, den die Serben Prvovjencani, d. li. „den zum erstenmal gekrönten“, nannten, da von den zwei Krönungen, denen er sich unterzog (das erstemal durch einen päpstlichen Legaten, das zweitemal durch einen seiner Brüder, den Erzbischof Sabbas), nur die letztere für giltig und daher als die wirklich erste angesehen wurde. Ein zweiter Sohn Stefans des Älteren, Vukan, hatte den Königstitel und die Statthalterschaft in Dioclea erhalten, bekriegte erst seinen Bruder Stefan, versöhnte sich aber dann mit ihm durch Einwirkung jenes oberwähnten dritten Bruders, der als heil. Sabbas auch für die Geschichte der Bocehe wichtig wurde. Er errichtete nämlich das serbisch-orthodoxe Bisthum Zeta,4 dessen Sitz das St. Michaels-Kloster auf der Insel Prevlaka war. (Südostwinkel der Teodo-Bai.) Unter den Nemanjiden war Cattaro ziemlich selbständig und von Patricierfamilien verwaltet, unter welchen die Buca (Bucchia), Bivoliöic (Boliza), Drago u. a. hervorragten. Anfangs (unter Stefan Nemanja Prvo- 1 Die blutige Geschichte dieser Prinzessin hat in neuerer Zeit zwei Dramatiker zu Gestaltungen angeregt: Drag. J. Ilijic und Jov. Subotic. 2 Die Landschaft Dioclea (Duklja) ist nach der gleichnamigen Stadt benannt, die einst am Nordufer des Scutari-Sees lag und von der noch heute — unfern Podgorica — Euinen vorhanden sind. Daselbst wurden auch so viele römische Münzen gefunden, dass sich der Yladika Peter II. von Montenegro eine ganze Sammlung anlegen konnte. Bei den serbischen Chronisten des XIII. Jahrhunderts war der Name Duklja so gebräuchlich, dass sie das adriatische Meer Dukljansko More nannten. Im XIV. Jahrhundert machte jedoch der ältere Namen dem neueren „Zeta“ Platz. Die Zeta erstreckte sich vom Scutari-See, beziehungsweise der Bojana, über den grössten Theil Montenegros bis zur Bocche. Von Cattaro bis Trebinje und Ragusa hiess das Land Travunien und Konavlien; noch weiter nördlich aber folgte Zachlumien (Chlum), das schon an das Gebiet der Narentaner grenzte. 3 Er starb im Jahre 1200 als Mönch auf dem Berge Athos. 4 Siehe Anmerkung 2.