534 DIE BOCCHE. (Castelnuovo) entstand, und nun unterwarf sich auch das von Elisabeth von Ungarn abgetretene Cattaro, dessen Patrizier Jovan Marin Buca, Luka Drago und Nikola Bivoliöic zur Huldigung erschienen.1 Bald darnach wandte Drago glücklich eine Belagerung ab, welche der Bagusäer Michael Bobaljevic im Verein mit Hilfstruppen des Baläic unternahm; gleichwohl hörte die bosnische Herrschaft nach dem Tode Tvrtkos auf und Cattaro blieb nun freie Stadt mit republikanischer Verfassung, bis 1420 der Venetianer Pietro Loredan mit einer Elotte erschien und der Vertrag vom 23. April jenes Jahres zustande kam, wonach Cattaro seine freie Verfassung und Verwaltung behielt und ausgesprochen wurde, dass Venedig nicht das Becht haben sollte, die Stadt an eine dritte Macht abzutreten. Auch das Münzrecht blieb den Cattarinern, und wie unter den Nemanjiden und unter Ludwig dem Grossen wurden noch fernerhin die sogenannten „Triffoni“ geprägt, die auf der Reversseite das Bildnis des heiligen Trifon mit der Unterschrift S. Triffon trugen, während die Aversseite die Worte Uros-mirus Imperator, Ludovicus Bex Hungariae oder das Bild des auf dem Throne sitzenden S. Marco wies. In der ersten Zeit der Venetianerherrschaft theilten sich in die Bocche Venedig, beziehungsweise das unter den Nemanjiden in den Besitz mehrerer Landstriche gekommene Cattaro und das Herzogthum S. Sava, das Stefan Kosaca, der Lehensträger des Hauses Hum, begründete, nachdem er sich der Oberhoheit Bosniens entzogen und 1440 unter den Schutz Friedrichs IV. gestellt hatte. Herzog Stefan residierte in dem — später von den Venetianern Castelnuovo genannten — Ercegnovi, nach welchem damals alles Land im Norden, das früher Tribunien und Zächlumien hiess, den Namen Hercegovina erhielt. Schon unter seinem Sohne Vlatko aber wurde, nachdem Bosnien und Serbien türkisch geworden waren, Ercegnovi von den Osmanen erobert (1483),2 und die Geschichte der Bocche dreht sich von nun an um die Kämpfe zwischen dem Halbmond und Venedig, welche besonders in den Jahren 1538—1539,1569, 1657 und 1687 bedeutende Dimensionen annahmen. (Inschriftliche und sonstige Erinnerungen an diese Kämpfe siehe die Abschnitte Castelnuovo, Cattaro.) Im Jahre 1687 eroberten die Venetianer Castelnuovo und nun war, ausgenommen den ragusäischen Küstenstreifen bis Punta d’ Ostro und die Sutorina, welche im Frieden von Passarowitz (1718) an die Türkei kam,3 1 Tvrtko liess das Oratorium der Cattariner in Teodo neu errichten und die Patrizier brachten deshalb am Glockenthurm die noch heute sichtbare Inschrift an: qua Bex Tuarco aede volvit violare En fulget meritis ipsa dicata suis. 2 Seit 1480 die Türkengefahr imminent wurde, residierten in Cattaro venetianische Befehlshaber, die den Titel : Bettori, Provveditori, Estraordi-narii führten. Cattaro zählte damals 81 Adelsfamilien, von welchen 1850 noch fünf, die Bisanti, Botia, Bucchia, Drago und Pasquali, existierten. 3 Den Bagusäern war die Sutorina 1451 von König Stefan TomaseVic von Bosnien abgetreten worden.