494 RAGUSA. und Lorbeer eine einfache Bohnencultur umschliessen. Etwas östlich davon überrascht die hübsche Scenerie eines kleinen Wasserspiegels mit Aron und Teichrosen, hinter welchem sich Statuen und eine Grotte erheben. Die Wölbung der letzteren ist seitlich mit indischen Feigencactus, welche im Herbst reichlich gelbrothe elliptische Früchte tragen, in der Mitte aber mit einer hübschen Agave besetzt. Rings besteht hier das Unterholz aus echt mediterranem von rothbeerigem Ruscus (Mäusedorn) und Stechdorn gebildetem Gestrüpp; als Parkbäume selbst aber bemerken wir im Rayon des Wasserleitungsaquäducts eine Versammlung der prächtigsten Exoten. Da steht die libanonische Ceder in Gesellschaft eines fruchttragenden Brotfruchtbaumes (Adansonia digitata), und die cephalonische Cypresse nahe einer chinesischen, welche sich durch ihren eigenthümlichen Stamm und horizontal abstehende Äste kennzeichnet; Pinus excelsa prangt im Schmucke hängender Nadel-büschchen, die edle Gattung Laurus ist durch die carolinische Art und durch baumförmige Exemplare des Kirschlorbeers vertreten. Besonders hübsch ist ein Aussichtsplätzchen, das einen Blick gegen den kahlen Veliki Stö erschliesst, und durch ein Exemplar jener „Palme“ gekennzeichnet wird (Cycas revoluta), deren glänzende Wedel in neuerer Zeit so massenhaft als Zierde eleganter Grabkränze Verwendung finden. Auch der durch seine hellgrünen stark duftenden Blätter ausgezeichnete Kampherbaum (Laurus Camphorum) ist in dieser, dem Schlösschen nahe gelegenen Parkpartie repräsentiert, welche ausser dem botanischen auch historisches Interesse in Anspruch nehmen darf. Man zeigt hier zwei Kastanienbäume, in welche Erzherzog Max und seine Gemahlin Charlotte ihre Initialen einschnitten, als sie noch in Cannosa glückliche Tage verlebten. Aber schon Kaiser Franz I. und seine Gemahlin Caroline hatten hier verweilt, als sie 1818 durch zwei Tage beim Grossvater des jetzigen Besitzers zu Gaste waren und hier hielt sich erst in den letzten Jahren Erzherzog Ludwig Salvator, der Kenner der Mittelmeerländer, fast eine Woche lang auf, die Eindrücke sammelnd, die er hernach in seinem Buche „Cannosa“ niedergelegt hat.