406 OIE MITTELDALMATINISCHEN INSELN. Östlich, des Gipfels, welcher das Fort Spagnuolo trägt, bauten die Franzosen das Fort Nicolò, die Österreicher aber befestigtenden vor dem Hafen liegenden Scoglio G o 1 e s n i k,1 auf welchem schon die Russen im Mai 1807 eine Batterie erbaut hatten, um mit vier Kanonen jene Beschiessung der Stadt vorzunehmen, welcher die schöne Loggia zum Opfer fiel. Die Aufgänge zu ersteren Forts sind berühmt wegen ihrer schönen Landschaftsveduten, zu deren Bildung nicht nur die höchst mannigfach geformten Insel- und Scoglienküsten und das blaue Meer, sondern auch die Vegetationsscenerien beitragen, die sich hier durch eine in Dalmatien kaum mehr übertroflene Üppigkeit auszeichnen. Besonders auf den Strandwegen beiderseits der Stadt,2 von welchen man den östlichen, zum Franziskanerkloster führenden, die ägyptische Promenade genannt hat, trifft man herrliche Palmen, Cypressen, Agaven mit riesigen Blütenschäften, Johannesbrotbäume und andere südliche Gewächse, die theilweise, wie z. B. der brasilianische Tabakbaum (Nicotiana glauca), von aus der Fremde heimkehrenden Seefahrern eingebürgert wurden. Nicht mit Unrecht spricht man von dem durch die Inseln Spalmadori geschützten und doch dem wohlthuenden Meereinfluss offenen Lesina, als von dem „dalmatinischen Madeira“ und ist nur erst einmal die von Kranken gescheute Seefahrt durch eine Eisenbahnverbindung Dalmatiens mit dem Continente auf ein Minimum reduciert, so werden sich auf Lesina wohl vielbesuchte Winterrefugien etablieren. Betritt man die Stadt Lesina, so fällt zunächst die gegen das Meer offene Piazza auf, die bei 150 Schritt Länge und 60 Schritt Breite zu den grössten und vermöge ihrer Umrahmung durch interessante Bauten auch zu den sehenswertesten Stadtplätzen Dalmatiens gehört. Die Nordseite nimmt die schon oben erwähnte Loggia ein, ein Werk Sanmicheli’s, das durch seine auf sieben Säulen ruhenden Bogen einen recht gefälligen Eindruck macht. Neben der Loggia, die jetzt als Kaffeehaus (beziehungsweise Cursalon) dient, steht der Palast des einstigen Conte der Insel und vis-à-vis der 1550 erbaute Palazzo Gazzari, der durch seine gothische Façade, seine Säulen und Sculpturen auffällt, in seiner Art aber nicht einzig ist, da sich in der Altstadt noch manches andere hübsche Bauwerk aus früheren Jahrhunderten findet. Die Ostseite der Piazza wrird von dem im lombardischen Styl aufgeführten Dom eingenommen, der durch spiegelnde Marmorwände und elf Marmoraltäre ausgezeichnet ist, darunter der Altar des heil. Kreuzes aus schwarzem, und drei andere Altäre aus violettem antiken Marmor, der Altar der sieben Todsünden aus sicilianischem Diaspor. Über dem Hochaltar hängt das Bild des heil. Stefan (Papstes und Märtyrers), gemalt von Giacomo 1 Auf dem Scoglio wurden die damals gefallenen Soldaten begraben. 2 Der westliche führt von dem Fabbrica genannten Quai zur Kathedrale vorüber an der grossen alten Cisterne der Stadt, die 1780 und 1830 restauriert worden ist.