586 AUSFLUG NACH MONTENEGRO. die Lovcenpartie kennt und ausser dem Serbocroatischen wenigstens etwas der Umgangssprache des Fremden mächtig ist. Weiss der Kutscher auf dem Lovcen nicht Bescheid, dann erhält man leicht in Njeguäi oder in Boätur einen montenegrinischen Führer. Man kann sich den Montenegrinern unbedenklich anvertrauen, wird aber, wenn man nicht etwas Serbocroatisch versteht, gut thun, den Kutscher als Dolmetsch mitzunehmen. * Von Krstac steigt man zunächst eine Vorhöhe hinan, welche durch einen in den Kalkschiefer erodierten Ast der Fiumeraschlucht vom Stirovnik-gehänge selbst getrennt ist. Dabei entfaltet sich im Rückblicke erst der Boden von Krstac bis zu den Karstkuppen des Mrajanik und Tatinjak (Norden), alsbald aber auch gegen Westen eine Prachtschau auf die ganze Bocche und im Süden eine Perspective auf beide Gipfel des Lovcenstockes. Nach halbstündiger Wanderung ist die Vorhöhe überschritten und wir sehen eine Mulde mit Culturen vor uns, hinter welcher der beide Lovcen-gipfel verbindende Sattel ansteigt. Während wir in dieser Richtung weiter wandern, blicken wir oft nach rückwärts, wo die neuen Hochstrassen und Forts der Krivoäije, besonders das Fort am Goli Vrh und die links gegen den Orjen hin anschliessenden Gebirge das Auge fesseln. Doch erweitert sich die Rückschau auch gegen Nordosten allmählich durch die an den Tatinjak anschliessenden Karstzüge. Der Vuöji do ist jetzt eine ausgeprägte Thalmulde, in welcher ein Mittelriegel mit elefantenhautfarbigen Karrenfelsbildungen auftaucht, die an Grösse nichts den ähnlichen Bildungen auf dem Dachsteinplateau nachgeben. Nur sind sie nicht wie dort von Krummholz, sondern von einem abseits des Weges undurchdringlichen Buchengestrüpp umgeben, dessen Holz in dem Wechsel von Sommerhitze und Winterkälte, dem es ausgesetzt ist, eine fast glasharte Consistenz gewonnen hat. Nach ungefähr 1 ’/, stündigem gemächlichen Steigen, und nachdem über dem Mrajanik und Tatinjak (Nord) das schwarzpunktierte graue Karst-wellenmeer Nordwest-Montenegros emporgestiegen ist, das sich bis zur 100 Kilometer entfernten Vlasulje (2375 Meter) an der hercegovinischen Grenze erstreckt, stehen wir auf der Sattelhöhe selbst und erreichen nun bald die Quelle, an welcher der Sage nach Ivan Crnojevic sein Ross getränkt haben soll. Hier thun sich steinige Wiesen vor uns auf, an deren Rändern da und dort eine vom Vieh verschonte Cichorie oder Flockenblume blüht; der Jezerski Vrh zur Linken hat seine drei Gipfel entfaltet, auf deren höchstem die Capelle steht, zur Rechten steigen steil die Stirovnikgehänge an, im Süden ist der Kolovir, der 1607 Meter hohe südliche Nachbar des Lovcen und etwas links davon die ferne Rumija in Erscheinung getreten. Der eigentliche Weg auf den Jezerski Vrh führt nun noch eine Weile gerade fort, an der Siedlung Veliki Boätur vorüber, um dann von der Südseite her das Gehänge des Jezerski Vrh anzusteigen und mit dem von Cetinje kommenden Reitweg zusammenzutreffen. Man kann aber auch gleich