FLORA. 35 Flora.1 Landflora. Die Küstengelände Dalmatiens gehören dem mediterranen Florengebiete an, doch sieht man beim Anstieg zu den höheren Karstbergen die mediterranen Pflanzen successive Zurückbleiben und mitteleuropäische an ihre Stelle treten, zu welchen sich auf den höchsten Erhebungen des Landes (Velebit, Diñara, Biokovo, Orjen) noch Alpenpflanzen gesellen. Einige Species gehören auch dem pontischen Florenbezirke an oder sind Dalmatien eigen-thümlich, wie die schöne Centaurea ragusina. Die Mediterranflora ist nach Kerner v. Marilaun zunächst dadurch ausgezeichnet, dass eine grosse Zahl von Gewächsen nicht wie in Mittel-Europa jährlich nur eine lange Buhe (die Winteri-uhe), sondern zwei Buheperioden einhält: eine im Winter, eine im Hochsommer zur Zeit der grössten Hitze und Dürre. In Dalmatien, und besonders in dessen südlichem Theil, ist indessen, da selbst im Jänner stets einzelne Gewächse blühen und nach Mitte Februar bereits das allgemeine Erwachen der Vegetation erfolgt, die Winterruhe ungemein kurz, und die Sommerruhe schon deshalb keine vollständige, weil die immergrünen Pflanzen ihre Blätter bewahren und die Myrten, sowie mehrere Lippenblütler, immortellenartige Compositen u. a. erst im Juli ihre Blüten entfalten. Ebenfalls im Hochsommer entwickeln am Strand des Meeres und in sumpfigen Mulden die Meernelke, der Keuschbaum, staudenförmige Goldruthen und Wermutarten, sowie mehrere Melden und rohrartige Gräser ihre Blumen. Nach Eintritt der Herbstregen erwacht dann die Vegetation zu einem neuen Leben und es blühen nicht nur die kletternde Stechwinde, der Erdbeerbaum und verschiedene Zwiebelgewächse, sondern auch viele Frühlingspflanzen entfalten regelmässig Johannistriebe. Gegen die Sommerdürre sind die mediterranen Pflanzen auf vielfache Art geschützt. Nicht nur die Lilien und Schwertlilien, die Crocus und Narcissen, die Asphodill und die Orchideen übersommern mit unterirdischen Zwiebelknollen und Wurzelstöcken, sondern selbst mehrere Arten der Ranunkeln, Doldenblütler, Baldriane und Compositen, also Pflanzengruppen, bei welchen in anderen Florengebieten Knollenbildung nicht beobachtet wird, zeigen hier verdickte, fleischige, vor Vertrocknung geschützte Wurzelbildungen. Die Bäume, Sträucher und Halbsträucher besitzen durchg^hends sehr tiefgehende, bis zu den selbst im Hochsommer nicht austrocknenden Bodenschichten hinabreichende Wurzeläste und haben der Mehrzahl nach immergrünes, lederartiges, durch eigenthümlichen Bau der Oberhaut gegen zu weit gehende Verdunstung geschütztes Laubwerk, oder aber sommergrüne Blätter, die mit dichtem Flaum versehen, in einen Haarpelz gewickelt oder mit einem Wollfilz überzogen sind, welcher Überzug sie gleichfalls gegen die Austrocknung schützt. Im Hochsommer sieht man daher an sonnigen 1 Mit Benützung der Darstellung von A. Kerner v. Marilaun. 3*