IN DEN RUINEN VON SALONA. 349 erfahren, in der Folge aber wurde festgestellt, dass ein Vorfahr der oberwähnten Asolepia, Namens Lucius Ulpius, der Zeitgenosse Doimus’, des ersten Bischofs von Salona, der Begründer des Friedhofes gewesen war. Ulpius hatte sich nämlich auf dem steinigen, minder fruchtbaren Theile seines Landgutes eine Familiengrabstätte errichtet und die Umgebung derselben seinen Glaubensgenossen als Friedhof eingeräumt, ähnlich wie dies von mehreren frühchristlichen Grabstätten in Rom beglaubigt ist. Aus jener Zeit (um 100 n. Chr.) stammen die ältesten Baureste der Ulpius’schen Gruft und der Wohnungen von Colonen, in welchen u. a. ein Weinkeller und eine 01- und Weinpresse erhalten ist, deren Form wenig von der noch heute in Dalmatien gebräuchlichen abweicht. Später, im II. und III. Jahrhundert, entfaltete sich um das Ulpius’sche Familiengrab immer mehr die „Area der Märtyrer“, denn in diesen Zeiten der Christenverfolgungen mussten oft auch Salonitaner ihren Glauben mit dem Blute bekennen, und nun wollten die anderen Christen (wie dies viele Inschriften ausdrücklich darthun) in der Nähe der Blutzeugen begraben sein, deren Gräber der fromme Sinn im Laufe der Zeit mit Mausoleen und kleinen Capellen bedeckte und zu Stätten der Verehrung machte. So entstand z. B. um 350 auf dem Atrium der Ulpius’schen Gruft, welches diese von den Profangebäuden des Landgutes abschloss, eine Capelle, und überhaupt existierten damals etwa zehn Capellen, um welche der Friedhof immer grössere Dimensionen annahm, bis um die Mitte des V. Jahrhunderts die Invasionen der Gothen und Hunnen begannen, welchen 481 und 490 jene der Heruler und Ostgothen folgten. Alle Gräber, und besonders jene der Märtyrer, wurden damals in barbarischer Weise vernichtet, und es scheint sogar, als ob in der drangsalvollen zweiten Hälfte des V. Jahrhunderts überhaupt keine Bestattungen vorgenommen worden wären. Erst um 510 n. Chr. wurde der Friedhof wieder eröffnet und nun, in der ersten Regierungsperiode des Kaisers Justinian (525—565) eröffnete man auch die grosse Basilika, in welcher die Märtyrergräber eine neue Stätte fanden. Die Basilika war ein mächtiges dreischiffiges Gebäude mit Vorhalle (Narthex) und Vorraum (Atrium). Drei Thore an der